Rock am Ring startet mit Kiss und H-Blockx

+
Bekannte Zungenspiele: Bassist Gene Simmons von Kiss am Nürburgring ▪

Von Sabine Fischer ▪ NÜRBURG–Eine Bühne, tausende Musikfans, die für ihr Ticket 49 Mark gezahlt hatten, und der Versuch, Woodstock einzudeutschen: In der Geburtsstunde von Rock am Ring plädierte Marius Müller-Westernhagen kurz und bündig für die körperliche Liebe, und von den für Sekundenbruchteile entblößten Brüsten der Gianna Nannini schwärmen Ringrocker heute, als hätte sie sich eine Stunde lang nackt auf der Bühne geaalt.

1989 und 1990 war das Festival ausgefallen: Angeblich sei es nicht möglich gewesen, genügend Top-Stars zu verpflichten, so die offizielle Begründung. Tatsächlich waren damals die Besucherzahlen drastisch eingebrochen. 25 Jahre nach dem ersten Festival in der Eifel wird nun Geburtstag gefeiert. Zum vierten Mal in Folge ist das Festival ausverkauft: 85000 Musikfans sicherten sich diesmal Tickets.Nachdem sie einen Abend zuvor die Arena Oberhausen und 12000 Fans gerockt hatten, gestalteten Kiss am Donnerstagabend im Rahmen ihrer „Sonic Boom over Europe“-Tour den Auftakt des Rock-am-Ring-Festivals. Feuersäulen, Konfettifontänen, Kanonenschüsse, ein Tribut an die jüngst verstorbene Rock- und Metal-Legende Ronnie James Dio, und Bühnenelemente, die die Altrocker des Chaos‘ enthoben oder sie direkt in das Auge des Sturms rückten – den Zuschauern bot sich weniger ein Konzert im herkömmlichen Sinne als vielmehr ein Spektakel. Vorwiegend still standen die Zuhörer und spürten dem Mythos nach. Dabei glänzte und tropfte bei den wenigen geschminkten Fans die Farbe, und die zynischen Züge wurden schnell milde. Zwar spielte das Publikum mit und gab auf Fingerzeig Laut und Begeisterung. Aber als „Starchild“ alle, die den Song „Black Diamond“ kennen, auffordert, das auch zu zeigen, bleibt die Menge ruhig. Nach 37 Jahren im Geschäft staksen die Musiker mit den dämonischen Waschbär-Masken nach wie vor mit diabolischem Vergnügen über die Bühne. Ihnen gefällt es offensichtlich, ein Ereignis zu sein, das man gesehen haben muss. Herrlich selbstironisch beispielsweise Gene „Die Zunge“ Simmons, der den Kampf mit einer widerspenstigen Blutkapsel zwischen den Zähnen in eine mimische Zombie-Performance kleidete. Kiss hatten ihrem Publikum eine unvergessliche Nacht versprochen, und die bekam es auch.Als Vorband hatten die aus Münster stammenden H-Blockx um Henning Wehland das Aufwärmtraining mit Songs wie „Rising High“ oder „Leave me alone“ dirigiert. Lediglich Wehlands Megaphon verweigerte sich der gelungenen Performance. Dem vorangegangen war ein Filmbeitrag, der ein Vierteljahrhundert Rock am Ring zusammenfasste und etwa an den Kiss-Auftritt von 1997 erinnerte.Obgleich das Festival diesmal vier statt drei Tage dauert, hatten die Campingplätze, wie in den Vorjahren auch, erst ab Mittwochmorgen geöffnet. Für die Bühnenbauer eine zusätzliche Herausforderung. So blieben etwa die Trucks mit dem Kiss-Equipment vier Kilometer vom Ring-Gelände entfernt im Stau der anreisenden Festivalbesucher stecken. Erst Dank der Hilfe der Polizei ging es schließlich noch zeitig genug weiter. Umleitungen und Ampeln sind in diesem Jahr auch im Bereich der Center-Stage auf dem Festivalgelände wegweisend.Erstmals bei durchgängig strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen erwarten die Festivalbesucher nun zwei weitere Tage voller Top-Acts auf drei Bühnen. Überraschend verpflichtet wurden Gentleman, die für die verhinderte Formation Wolfmother einsprangen.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare