„I was a Robot“: Illustrationen zu Science Fiction im Museum Folkwang

Monumental zusammengebastelt ist der Roboter, den Frank R. Paul 1953 für „The Elements of Science Fiction“ zeichnete. Zu sehen im Museum Folkwang. Fotos: Museum

Essen – Seltsam unbeholfen und zugleich monumental stakst die Metallfigur durch eine Landschaft, die mit Kristallen bewachsen ist. Der Illustrator Frank R. Paul hat für das Cover des Magazins „Science-Fiction plus“ 1953 seiner Fantasie freien Lauf gelassen. Völlig überladen wirkt der Roboter, der statt Füßen auf Panzern läuft, der zwei verschiedene Beine und zwei ungleiche Arme hat, der in alle Richtungen Lichtstrahlen verschießt. Mehr eine Bastelarbeit als eine glaubwürdige Konstruktion. Aber wichtiger noch: Irgendwie sieht dieses Gebilde menschlich aus.

Man findet das Cover in der Schau „I was a Robot“ im Essener Museum Folkwang. Damit eröffnet das Haus eine Ausstellungsreihe zum Thema Mensch und Maschine. Zugleich widmet es sich erstmals der populären, der vermeintlich trivialen Kultur. Mehr als 250 Leihgaben aus dem Science-Fiction-Museum Maison d‘Ailleurs in der Schweiz bebildern, wie sich seit etwa 100 Jahren Grafiker, Autoren, Filmemacher die Kunstmenschen, Cyborgs, Roboter vorstellen.

Es ist eine überaus vielseitige und abwechslungsreiche Präsentation, die die Faszination der Menschen für solche Figuren dokumentiert. Manches ist heute von der Realität eingeholt: Längst gibt es Maschinen, die eigenständig staubsaugen. Aber so cool wie der Butler auf heißen Reifen, der beim Saubermachen auch noch eine Tasse Kaffee für die gerührt zusehende Hausfrau serviert, sehen die nicht aus. Das Cover von The Canadian fragte 1976: „Whatever Happened To The World of Tomorrow?“ Und auf dem Umschlag des Magazine of Fantasy and Science Fiction vom Dezember 1960 sehen die kleinen Haushaltshelfer aus wie Zwergendreiräder auf der Flucht vor den Riesenbeinen der Hausherrin. Wie vertraut gestaltete der Zeichner des Magazins „Le petit inventeur“ (Der kleine Erfinder) 1929 den Robobutler, der dem Zeitung lesenden Bürger die Schuhe putzt.

Längst töten auch Drohnen ferngesteuert auf der anderen Seite des Globus Terroristen oder was eine Regierung so nennt. Die Kampfmaschine, ganze Armeen von Automaten, die den Menschen bedrohen oder ihm beistehen, das gehört auch zum Motiv-Vorrat der SF-Grafiker. 1940 zeichnete Robert Fuqua für „Amazing Stories“ einen Metallsoldaten, der einen gewaltigen Panzer mit den Händen umwirft. Auf dem Cover von „Perry Rhodan“ ließ Johnny Bruck 1978 einen „Saboteur“ mit Fußtritt und Strahlerschuss ein wichtiges Aggregat schrotten. In dem Film „Star Wars – Episode 1“ von George Lucas (1999) marschieren schier endlose Truppen von Blechsoldaten auf. Und auch der eingangs beschriebene unbeholfene Kamerad im Kristall-Land wirkt ja wie eine Kampfmaschine.

Zwischen Lust und Angst bewegen sich die Gefühle, die von den Zeichnern beschworen werden. Mal geht es um Pathos und Drama wie in den dynamischen Kampfszenen zum Beispiel der „Terminator“-Filme und -Comics. Mal gehen die Zeichner das Thema eher ironisch an. Dann zitieren sie aus der Kunstgeschichte und lassen eine Metallversion von Botticellis Venus anschweben (Magazin „Omni“, 1986). Dann sitzt am Schreibtisch des klassischen Detektivs mit qualmender Kippe ein eiserner Ermittler wie in Frank Kelly Freas‘ Cover für „Fantastic Universe“, 1955. David A. Hardy zeigt für das Magazine of Fantasy and Science Fiction 1976 heruntergekommene Automaten, die an der Flasche hängen. Und Sex haben sie natürlich auch, wie das knutschende Paar zeigt, das Warkentin 1982 für das französische Comic-Magazin „Métal Hurlant“ zeichnete.

Am Ende ist der Roboter auch nur eine Projektionsfläche für das Menschlich-Allzumenschliche. Alejandro lässt einen zum Sternenhimmel aufblicken, und das Romantische an ihm wird betont durch das rote Papierherz, das mit einem Nagel auf die Blechbrust gepinnt wurde (Astounding Science Fiction, März 1943).

Unsere Ängste sind Stoff für die Grafiker, die Utopien oder Dystopien bebildern: Ed Emshwiller lässt auf dem Cover von „Galaxie“ (Sept. 1969) einen Roboter in der Wüste nachdenklich auf das Skelett des (vielleicht) letzten Menschen blicken. Man wird unsicher in seiner Identität: Was bin denn letztlich ich? Immer wieder sieht man Masken, hinter denen Metall aufblitzt. Ein klassisches Motiv der Science Fiction ist der Mensch, der im Spiegel oder am Röntgenschirm mit Schrecken entdeckt, dass er eine Maschine ist. Wie die Schwarzhaarige auf dem Cover des Romans „L‘Ère des Biocybs“, die René Brantonne 1960 mit Organen aus Stahl ausstattete.

So berichten diese überaus ideenreichen, gewitzten, oft eigentümlich nostalgischen Bildschöpfungen viel über die Zeit, in der sie entstanden. Es berührt, wenn Mel Hunter 1955 in einer Ruinenlandschaft einen Roboter zeigt, der sich in einem zerbrochenen Spiegel betrachtet und dabei Schrauben nachzieht. Und in all den Maschinen erkennen wir letztlich uns. Sie sind unsere Spiegel.

Bis 15.3.2020, di – so 10 – 18, do, fr bis 20 Uhr,

Tel. 0201/ 88 45 444, www. museum-folkwang.de,

Katalog, Steidl Verlag, Göttingen, 20 Euro

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare