Ricardo Saro stellt im Josef-Albers- Museum Bottrop aus: Farbmalerei

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Farbräume, Farbschichten: Mit dem Gemälde „Candia“ verbindet Ricardo Saro die Farben von El Greco, zu sehen im Bottroper Josef-Albers-Museum.

Von Achim Lettmann -  BOTTROP An Wolken ist Ricardo Saro nicht interessiert, auch wenn auf seinem Gemälde „Candia“ (2014) Farben ein wenig wie Himmelsformationen erscheinen. Der Künstler geht von der Farbe an sich aus und blickt nicht in die Natur. In diesem Fall hat er Farbtöne des Malers El Greco gewählt, als er mit dem Malprozess begann.

„Man muss sich einlassen“, sagt Ricardo Saro in Bottrop, „man kann Farbe nicht bezwingen.“ Es ist seine Erfahrung als Maler und sein Rat an den Betrachter. „Farbe ist ein Medium, das sich immer verändert. Jeder sieht ein Gelb anders.“ Ab Sonntag, 11.30 Uhr, ist seine Ausstellung „Ricardo Saro. Calle de Madrid. Malerei“ im Josef Albers Museum in Bottrop zu sehen.

Nah ranzugehen an die Bilder empfiehlt der Künstler selbst. Dann ist zu spüren, dass das Gemälde „Malachit“ (2013/15) samtig wirkt, wie grüner, leicht poröser Stoff. Solche Oberflächen sind nicht kalkuliert, aber Ricardo Saro verdichtet die Farbpigmente und schafft so haptische Qualität. Die Leinwand wird opak, weil der gebürtige Spanier (Santander 1947) die Farbe in Schichten aufbringt und immer ganzflächig arbeitet. „Es kann in der letzten Schicht alles kaputt gehen“, sagt er und vermittelt, dass es ihm vor allem auf den Malfluss ankommt („Ich muss empfindlich werden für das, was das Bild braucht“).

Saro malt direkt vor der Leinwand, er sucht nicht die Distanz, sondern die meditative Arbeit. Er wählt die Farben intiutiv, aber auch aufgrund seiner Erfahrungen. Welche Farben erzeugen eine räumliche Staffelung im Bild? „Grün liegt zwischen Gelb und Violett“, weiß der Künstler und blickt auf das Gemälde „Calle Madrid“. Es hängt im Quadrat Bottrop neben einem Fenster. Das harte Licht von der Seite lässt erkennen, wie tiefschichtig die Farbräume sind. Der kurzatmige Malduktus führt zu einer lebhaft strukturierten Oberfläche. Seine Pinselarbeit hat Ricardo Saro aus den 70er Jahren beibehalten, als er noch fotorealistisch malte und entdeckte, dass ein Pinselschwung ein Grashalm sein konnte. Heute bringen Licht, Farbe und Strich – je nachdem, wie man auf die Leinwand schaut – ein irisierendes Moment in seine Malerei.

Für Heinz Liesbrock, Direktor des Josef-Albers-Museums, gelingt Saro die „Perspektierung der Farbe durch Abschattierungen“. Er schaffe Ruhe unter der Bedingung der Bewegung, sagt Liesbrock, der in Bottrop 28 Bilder ausstellt. Neben Werken der letzten zwei Jahre sind auch zwei Exponate von 2007 zu sehen, die zum Bestand des Hauses zählen. Für Liesbrock ist es wichtig, das Farben „ins Gespräch“ gesetzt werden. So lässt sich Saros Arbeit auch in der Verbindung zu Josef Albers (1888–1976) sehen, der mit seinen Studien die Auswirkungen von Farben zueinander auslotete.

Ricardo Saro lebt seit 50 Jahren in Deutschland. An der Hochschule der Künste Berlin (1972–1981) war er Meisterschüler von Johannes Geccelli, der Fragen nachging wie der, ob konkrete Malerei Intellektualität braucht oder nur ein Bauchgefühl. Die gedankliche Auseinandersetzung liegt Saros Malerei zugrunde. Allerdings habe sich seit fünf Jahren eine „frische Arbeitsweise“ entwickelt, ohne Grundzüge zu verändern, sagt Liesbrock.

Saro, der sich vom Goldenen Zeitalter der spanischen Kunst inspirieren lässt – Velàzquez, Greco, Toledo –, ist letztlich an Farbräumen interessiert, die er an der Leinwand abarbeitet. Es geht nicht um Stimmungen, sondern um eine Experimentierkunst, die Farbe und Geist ausbalanciert.

Eröffung, Sonntag, 11.30 Uhr; bis 24. Mai; di-sa 11 bis 17 Uhr, so 10 bis 17 Uhr; Katalog in Vorbereitung; Tel. 02041 / 297 16; www.quadrat-bottrop.de

Quelle: wa.de

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