Reiner Seligers „Broken stuff“ im Stadtmuseum Beckum

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Kunstvolle Formen mit Ecken und Kanten: Reiner Seligers „Navette“ (2009), zu sehen in Beckum.

Von Marion Gay ▪ BECKUM - Große und kleine, schmale und breite, rote und graue Steine reihen sich aneinander, stapeln sich aufeinander. Zusammen ergeben sie eine Kugel mit zwei Spitzen, eine Form, die der Goldschmied als „Navette“ bezeichnet. Das Objekt gehört zur Ausstellung „Broken stuff“ im Beckumer Stadtmuseum, die rund dreißig neue plastische Arbeiten des Bildhauers Reiner Seliger zeigt. Die Schau ist ein Kooperationsprojekt mit dem Stadtmuseum Siegburg, der Galerie Münsterland in Emsdetten und dem Kloster Bentlage in Rheine.

Wie der Titel, auf deutsch: „zerbrochenes Material“, schon sagt, arbeitet Seliger mit Werkstoffen, die er zerbricht und häufig so zusammen fügt, dass die Bruchkanten scharf und abwehrend in den Raum ragen. So bei der Plastik aus Glas „Navette M“ (2009), die gleichzeitig verlockend und gefährlich wirkt. Sie glitzert wie Eis oder Edelstein, dennoch hält man selbstverständlich Abstand. Auch die turmartigen, locker aufgeschichteten Gebilde aus Ziegelstein strahlen etwas Ambivalentes aus. Einerseits erdig und trutzig, andererseits zerbrechlich erinnern sie an archaische Behausungen, an Unterstände aus gestapelten Bruchsteinen, die man auf den Feldern Südeuropas findet.

Der Künstler, der in Freiburg und in Italien lebt, verwendet sowohl industriell hergestellte Bausteine wie Ziegel, Klinker, Styropor und Glas, als auch in der Natur vorhandene Materialien wie Marmor und Kalkstein. Wichtig ist die Stapelfähigkeit des Stoffes. Für die aktuelle Ausstellung arbeitete Seliger erstmals mit Beckumer Naturstein: „Phoenix Tondo“ (2010) ist eine aus vielen Bruchstücken zusammengesetzte graue Kugel, akribisch gestapelt und mit Nägeln gehalten.

Auch die beiden Beckumer Stadtpatronen, die seit je her als Steinfiguren an der Wand des großen Ausstellungssaals hängen, wurden von Seliger in ein Kunstwerk mit einbezogen. Die Installation „Die Heiligen Stephanus und Sebastian im Umbruch“ zeigt die beiden umringt von Styropor, das gebrochen und aufgeschichtet an Eisschollen erinnert. Die Figuren erscheinen wie Schiffbrüchige, gefangen im Eis.

Weniger bedrohlich dagegen die gelben und grünen Plastiken aus Styropor-Klötzchen, die der Künstler mit Tafelkreide eingerieben hat. So sieht der aufrecht stehende „Tropfen“ (2009) in kräftigem Gelbgrün wie ein Kinderspielzeug aus, wie ein Kreisel.

Der 1943 im schlesischen Löwenberg geborene Künstler widmet sich bereits seit vielen Jahren der gestapelten Form. Viele seiner meterhohen Gebilde befinden sich im öffentlichen Raum, z.B. im Skulpturenpark Herne und auf der diesjährigen Landesgartenschau in Hemer. Leider sind in Beckum vor allem kleine Arbeiten zu sehen. Aber auch von Objekten wie „Castello“ und „Organoid“ (2009), die wie handliche Spielbälle auf dem Podest liegen, geht etwas Stilles, Poetisches aus. Stabil und robust, wie sie wirken, könnten sie dennoch im nächsten Moment zerbrechen.

Bis 2. Mai

di – so 9.30 – 12.30 und 15 – 17, sa 15 – 17 Uhr

Tel. 02521/ 29264

http://www.beckum.de

Katalog 15 Euro

Quelle: wa.de

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