Reggae-Star Gentleman im Skaters Palace Münster

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Gefühlvoll: Tilmann Otto alias Gentleman. ▪

Von Tobias Schröter ▪ MÜNSTER–Relaxten Roots-Reggae gibt es erst einmal nicht, als Tilman Otto alias Gentleman die Bühne im Münsteraner „Skaters Palace“ betritt. Mit weißem V-Neck-Shirt, beiger Hose, weißen Sneakers und charakteristischem Hut bekleidet, legt er gleich sportlich los. Zwar beherbergt sein aktuelles Album „Diversity“ auch einige Balladen, ist aber an vielen Stellen noch ein Stück härter als seine Vorgänger – und diese haben beim Auftritt in der proppenvollen Ex-Fabrikhalle zunächst Vorrang.

Der 36-Jährige tanzt, stapft und hüpft im Kniehebelauf über die Bühne, singt und rappt zu harten DancehallRiddims, deren wummernde Bässe man im ganzen Körper spürt. Das sorgt von Anfang an für Schwung in der Bude, das Publikum wippt oder „bounct“ sofort los. Doch richtiger Spaß, eine wirkliche Konzert-Magie will sich noch nicht ausbreiten. Was zum einen an der fehlenden „Diversity“ (dt. Vielfalt) der ersten Songs liegen könnte, die sich allesamt nur wenig unterscheiden, zum anderen an der gequält wirkenden Art des Sängers: Gentleman blickt ernst drein, lächelt wenig. Hinzu kommt, dass der Wahl-Jamaikaner nicht nur in seinen Songs die Kreol-Sprache Patois bevorzugt, sondern auch bei der Kommunikation mit dem Publikum. Die einen finden es gut und authentisch, die anderen können den Aufforderungen nicht ganz folgen – es entstehen kleine Missverständnisse.

Doch all das legt sich, als Gentleman nach einiger Zeit einen Gang runterschaltet, langsamere Stücke einstreut und schließlich erste „Klassiker“ auspackt. Bei den ersten Takten zu „Intoxication“ und „Superior“ jubelt das Publikum auf, singt lauthals mit. Der beste Teil des Abends beginnt schließlich, als er Reggae-Newcomer Christopher Martin, der das Publikum bereits vorher angewärmt hatte, zurück auf die Bühne holt. Bei der gemeinsamen, temporeichen Nummer „To the top“ wird das Konzert zur kollektiven Spring-Veranstaltung, deren Dauer gleich noch mit einigen Zusatz-Refrains inklusive dem Einstreuen des Eurythmics-Klassikers „Sweet Dreams“ ausgeweitet wird. Überhaupt scheint auch Gentleman nun Geschmack gefunden zu haben und es zu genießen, dass er nicht den Alleinunterhalter spielen muss, sondern mit Christopher Martin jemanden hat, mit dem er Faxen machen kann. Auch im weiteren Konzert-Verlauf, stellt sich Tilmann Otto gern einmal in den Hintergrund, lässt neben Martin seiner Background-Sängerin den Vortritt, auch Schlagzeuger und Bassgitarrist dürfen sich präsentieren.

Und in der Schlussphase gibt es ihn dann auch, den entspannten Reggae, der sich inmitten der winterlich-kalten Industriehalle wie ein sonniger Kurztrip nach Jamaica-Flair anfühlt: Strahlende Gesichter, sanfte Bewegungen – und aus einigen Ecken dringt der süßliche Duft von Marihuana.

Quelle: wa.de

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