Die Rastlosen: US-Band My Chemical Romance

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My Chemical Romance mit Sänger Gerard Way standen im Kölner Palladium auf der Bühne. ▪

Von Tim Griese ▪ KÖLN Als My Chemical Romance das letzte Mal auf großer Welttournee waren, hatten sie das frisch erschienene Konzeptalbum „The Black Parade“ im Gepäck, eine bombastische Rockoper, die angemessen und in Sachen Bühnendesign und einheitlichen Uniform-Outfits durchgestylt gefeiert wurde.

Vier Jahre später ist das Rock-Quartett aus New Jersey wieder auf Welttournee unterwegs, wieder mit einem Konzeptalbum. So lose die Geschichte hinter „Danger Days: The True Lives of the Fabulous Killjoys“ diesmal ist, so wenig stringent ist auch die Show: eine puristische Bühne, ein paar Lichteffekte, das war‘s. Rund 3 200 Zuhörern im Kölner Palladium ist das am Sonntag egal. My Chemical Romance haben eine eingefleischte Fanschar. Das vornehmlich weibliche Publikum gibt sich äußerst textsicher, bejubelt den ersten Ton jedes einzelnen Songs frenetisch und singt auch mindestens jeden der durch die Bank eingängigen Refrains mit.

Förmlich angestachelt von der Resonanz der Fans und dem rhythmischen Gehüpfe in der vom Industriecharme geprägten, schlauchförmigen Halle wirbelt Sänger Gerard Way mit rot gefärbtem Schopf über die Bühne. Und auch der Rest der Band mit Glittergitarre und umherschleudernden Mähnen gibt sich von der ersten Minute bis zur Zugabe rastlos. Die wenigen ruhigen, beinahe hymnischen Momente dienten alleine dem Hochrecken der Fotohandys und Kameras im Saal und vielleicht auch ein wenig zum Durchzuschnaufen. Dann folgt aber auch schon das nächste von Punk durchtriebene Stück Powerpop. „Na, Na, Na“, die erste Single des Albums, zeigt gleich zu Beginn, wo es an diesem Abend lang gehen soll. Way rutscht auf Knien umher, schießt aufgedreht ein Stofftier zurück in die9 Menge und wirbelt mit einer Fahne herum, die ihm zugeworfen wurde.

My Chemical Romance haben sich verändert, äußerlich und musikalisch. Die Queen- und David-Bowie-Anleihen aus „Black Parade“-Zeiten sind 2011 weitestgehend verschwunden und lugen nur ein paar Mal hervor, sorgen dabei aber immer für tosenden Beifall. Die Düsterheit dieser Songs, die von Tod und Vergänglichkeit handeln, ist positiveren Klängen mit Elektronik-Einschlag gewichen. Dabei bleibt die Band aber stets My Chemical Romance. Der Wiedererkennungswert steht, was nicht zuletzt an der hellen Stimme Ways liegt, die hin und wieder an jene von Billy Corgan, dem Frontmann der Smashing Pumpkins, erinnert.

In seinen rar gesäten Ansagen betont Way die Wichtigkeit des neuen Albums für die Band. Eigentlich sollte es anders aussehen und war schon 2009 im Mix, um dann wieder neu aufgerollt zu werden. Im Vordergrund stehen diesmal die Songs rund um die vier Killjoys, die „Spielverderber“ Party Poison, Jet-Star, Fun Ghoul und Kobra Kid, die Alter Egos der Bandmitglieder, die sich in der Wüste Kaliforniens des Jahres 2019 einen Kampf mit einem bösartigen Unternehmen liefern. So bildet das Grundgerüst der Setlist auch hauptsächlich Songs vom aktuellen Album, streut aber unter anderem auch die Singles von „The Black Parade“ ein. My Chemical Romance demonstrieren, dass sie nach bislang vier Alben über einen ausreichenden Fundus an Hits verfügen, der jede Party retten kann. Natürlich darf dabei auch „Helena“ vom 2004er Album „Three Cheers for Sweet Revenge“ nicht fehlen – ein Highlight von vielen an diesem Abend.

Quelle: wa.de

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