Rapper Kendrick Lamar bringt Köln zum Schwitzen

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Kendrick Lamar

KÖLN - Kurz und mit Schmackes - das scheint Kendrick Lamars Leitsatz für seinen Auftritt in Köln zu sein. Nur rund eine Stunde steht der US-amerikanische Rapper auf der Bühne des Theaters am Tanzbrunnen, schafft es in der Zeit aber, seine Fans gehörig ins Schwitzen zu bringen.

Von Tim Griese

Im Gepäck hat der 26-Jährige vor allem Material seines aktuellen Albums "Good Kid, M.A.A.D City". Unterstützt wird er von einer vierköpfigen Band, allesamt mit Baseball-Käppis ausgestattet: Dem Hip-Hop-Lifestyle muss schließlich Genüge getan werden. Das, was nicht live aus den Boxen kommt, leistet der Computer. Und der hat einiges zu tun bei all den Samples, Skits und abwesenden Künstlern, mit denen Lamar seine Platte eingespielt hat und die trotzdem gehört werden wollen.

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Rapper Kendrick Lamar in Köln

Zu Köln pflege er eine besondere Beziehung, erklärt der Rapper. "Wir hatten beim letzten Mal eine geile Zeit. Diesmal bringen wir den Scheiß auf ein neues Level." Er meine das ernst, sagt er. Kein Gequatsche. Das Publikum geht gut mit. Die Anfeuerungsrufe Lamars und seine wiederkehrenden Nachforschungen, wo im Publikum sich die lauteste Ecke befindet, sind da gar nicht nötig. Der Musiker bekommt das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht, so begeistert ist er vom Enthusiasmus hinter dem Wellenbrecher.

Musikalisch changieren Lamars Stücke zwischen harten Beats und melancholischen Nummern und stehen in der Tradition von Künstlern wie die seines Förderers Dr. Dre und Rapgrößen wie Tupac Shakur.

"P&P" kommt wie eine Schmusenummer daher, liefert aber einen ernüchternden Blick auf den Alltag in Lamars Heimatstadt Compton, einer der gefährlichsten Gegenden der USA. Darin rappt der 26-Jährige über den Versuch, mit Frauen und Alkohol Abstand von sozialen Problemen, Familienschicksalen und Schwierigkeiten mit dem kriminellen Umfeld zu gewinnen. Einen ähnlich desillusionierten Ansatz findet sich auch in "Money Trees", das, unterlegt von einer melancholischen Grundmelodie, den großen Wunsch nach Reichtum porträtiert, gleichzeitig aber zu verstehen gibt, dass materielle Güter niemals das Erlebte im Viertel ausradieren können.

Mit heftigem Synthesizer-Alarm im Refrain präsentiert Kendrick Lamar seinen Teil von "Fuckin' Problems", eine Kollaboration mit dem Rapper Asap Rocky. Heftig geht es auch bei "Bitch, Don't Kill My Vibe" zu. Die Bässe wummern nur so durch die Boxen, während Lamars Verse eine noch recht übersichtliche Karriere Revue passieren lassen. Das wollen die Fans festhalten: Die Handykameras arbeiten unter Dauerbelastung.

Beim sich anschließenden "Poetic Justice" ist Erholung angesagt. Entspannt soulig plätschert die Nummer dahin, während Lamar über seine Beziehung zu einer Frau rappt.

"Real" beginnt mit Fahrstuhlmusik und bleibt auch im Verlauf relativ unaufgeregt. Einen ordentlichen Puls dagegen wird der Fan haben, der gemeinsam mit dem Rapper bei zwei Songs Zungenbrecher ausspucken darf. Er macht die Sache gut, auch wenn er nur beim aggressiven "M.a.a.d. City" zu hören ist.

Höhepunkt des Abends ist die durchaus radiotaugliche Nummer "Swimming Pools (Drank)", die mit einem einprägsamen Refrain punktet - und aufzeigt, wohin Kendrick Lamars Karriere noch gehen kann: an die Spitze des Westküsten-Rap. Wenn er denn noch ein wenig am Durchhaltevermögen trainiert.

Quelle: wa.de

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