Queen Esther Marrow und die Harlem Gospel Singers begeistern in Essen

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Energie und Lebensfreude: Queen Esther Marrow und ihre Harlem Gospel Singers gastieren in NRW. ▪

Von Achim Lettmann ▪ ESSEN–Wer auf die bessere Seite des Lebens wechseln will, der sollte Gospel Musik hören. Das ist die Botschaft, die Queen Esther Marrow einmal mehr in Essen anstimmt. Seit zwanzig Jahren tourt sie mit ihren Harlem Gospel Singers durch die Welt. Im Colosseum Theater, eine der Musicalbühnen des Reviers, wird eine perfekt choreografierte Show gezündet. Dabei führt Marrow in dem neuen Programm „Life is a Morning“ ihre Strategie fort, den Gottesdienst zu öffnen und mit jungen Künstlern zu arbeiten. Gaststar der Tour ist Cassandra Steen, die deutsche Soulstimme, die mit Kool Savas, Ich+Ich, Gentlemen und Xavier Naidoo gearbeitet hat.

Aber eins bleibt wie eh und je. Queen Esther Marrow (70) ist der Star. Im pinkfarbenen Abendkleid betritt die große Dame des Gospel die Bühne und schreitet nach vorn. Zu Van Morrisons „Bright Side of the Road“ formieren sich die Harlem Gospel Singers hinter Marrow und begleiten ihr Solo. Diese Einigkeit, diese perfekte Chorarbeit machen die Klasse des Liedvortrags aus. Die Sängerinnen sind laut und entschlossen („Fly away“), interpretieren „Singing in my Soul“ wie eine Plauderei mit ironischen Spitzen und beenden ihr großartiges Medley mit „View that Holy City“. Vor allem Bethany Heath bringt eine Wucht und Ekstase auf die Bühne, die staunen macht.

Herrlich schwungvoll wird der Klassiker „Get on Your Feet“ von allen gejubelt – nicht gesungen. „I‘m Walking on Sunshine“ animiert Musikdirektor Anthony Evans am Piano zu einem Tempo-Solo wie in einer Jazzbar nach Mitternacht.

Die große sanfte Stimme des Abends ist nicht Cassandra Steen, sondern der Tenor Rodney Archie. Wie er „Over the Rainbow“ tongenau klingen lässt, ist ein melodischer Genuss und eine Referenz an Traditionen. Rebecca Cummings Scales, die Chorleiterin, dirigiert bei „Highway to Heaven“. Ihre helle Sopranstimme wirkt wie ein Ausrufezeichen, so überraschend klar erhebt sie sich.

Neben dem souveränen Chorgesang sind es die individuellen Stimmen, die die Show „Life is a Morning“ konturieren. Cassandra Steen wirkt dagegen etwas hüftsteif und stimmlich dünn zwischen den Harlem Gospel Singers. Sie seien im letzten Jahr Freundinnen geworden, sagt Queen Esther Marrow zu Cassandra Steen. Beide singen „God Cares“ und im zweiten Teil „New World Coming“. Steen wartet brav auf ihren Einsatz, und zu „my world coming“ sind zahlreiche Fotos von Kleinkindern auf der halbrunden Rückwand der Showbühne projiziert. Später wird sie noch einmal auf einem Kasten Platz nehmen, damit sie mit ihrer Körpergröße Queen Esther Marrow nicht so ungebührlich überragt. Auch solche Kleinigkeiten hat Leslie Dockery (Choreografie) bei ihrer Bühnenarbeit bedacht. Die Gospel-Diva stimmt das Gespräch mit ihrem Pianisten („I‘ve Got Jesus and That‘s Enough“) an und erinnert sich an das erste Mal in Essen und die „wundervollen Menschen“ in dieser Stadt. In historischen Bilder feiert sich Marrow mit Fotos vom Papst, Hillary Clinton, Tina Turner, Udo Jürgens und Xavier Naidoo, mit dem sie gearbeitet hat.

Dann wird das Finale ein echter Rausch. Die Harlem Gospel Singers haben zum dritten Mal die Roben gewechselt. Alle rudern mit den Armen bei „Wave Your Hands“, und zu „Oh Happy Day“ schwenkt nun auch das etwas träge Publikum um – es ist ein gutes Gefühl.

Die show

Unverwüstlich, gut und stimmungsvoll. Gospel, Soul und R&B-Musik mit Cassandra Steen als Gaststar.

Live is a Morning 7. Januar, Tonhalle Düsseldorf; 13., 14. Januar, Konzerthaus Dortmund; Tel. 01805 / 2001 (14 Cent/Min. aus dem Festnetz)

Quelle: wa.de

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