Pop-Musik im Maximilianpark

Neal Prestons Fotografien zu Queen sind in Hamm ausgestellt

Freddie Mercury (von links), Roger Taylor, Brian May und John Deacon von der Band Queen auf ihrer Nordamerikatour 1977.
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Freddie Mercury (von links), Roger Taylor, Brian May und John Deacon auf ihrer Nordamerikatournee 1977. Neal Preston fotografierte die Band Queen, seine Fotos sind im Hammer Maximilianpark zu sehen.

Neal Preston war der Tourfotograf der Band Queen. Wie er Freddie Mercury und Co. in Bild setzte, zeigt eine Ausstellung im Maximilianpark Hamm.

Er gilt als der Queen-Fotograf. Niemand ist der britischen Band mit der Kamera so nah gekommen wie Neal Preston. „Bei vielen Gelegenheiten war er das fünfte Mitglied von Queen“, sagt Brian May und adelt den Tour-Fotografen als einen „vertrauenswürdigen Wegbegleiter“. Roger Taylor, zweiter Bandmitbegründer, findet Preston „immer lustig und positiv“.

Wie eng diese Zusammenarbeit war, dokumentiert eine Ausstellung im Hammer Maximilianpark anlässlich des 50-jährigen Bühnenjubiläums der Band Queen. 50 Farb- und Schwarzweißfotografien von Neal Preston, die zwischen 1977 und 1986 entstanden sind, werden präsentiert. Grundlage ist das Fotobuch „Queen – The Neal Preston Photographs“. Der Reel Art Press Verlag hat den Band 2020 herausgegeben. In Hamm sind vor allem Tour-Fotografien zu sehen: aus Nordamerika, Aufnahmen vom Live-Aid-Konzert 1985 im Londoner Wembleystadion – Queen spielten 30 Minuten – und der „The Magic Tour Europe“ 1986, der letzten mit Freddie Mercury (1946–1991). Die Aufnahmen sind extra für die Ausstellung „Queen“ vergrößert und auf Stellwände gezogen worden. Im Maxi-Park flaniert man an Zeitdokumenten zur britischen Band vorbei. Fotoauswahl und Schaukonzept wurden mit der Lightpower Collection (Paderborn) entwickelt, Robert Taylor (71) und Brian May (73) stimmten dem Projekt im Park zu.

Und natürlich Neal Preston (69), der in Los Angeles lebt. Seine Fotos entstanden aus einer engen Bindung zu den Musikern von Queen. „Roger war natürlich das erste Bandmitglied, zu dem ich mich hingezogen fühlte“, sagte Preston über Taylor, „ein echter Rockstar“. Brian May überraschte den Tourfotografen. Der Gitarrist, selbst ein Experte für stereoskopische Fotografie, überließ ihm seine Spezialkamera. „John war liebenswürdig und akzeptierte mich“, sagte Preston über Bassist Deacon. Und Freddie? „Man konnte nichts falsch machen“, sagte Preston. In Hamm ist der extrovertierte Sänger mit Mikrofonständer und Spreizschritt zu sehen („Ich musste nie die Kamera weglegen, wenn Freddie da war“). Preston erhielt den Spitznamen „Linda Lens“ von Mercury. Eine Anerkennung. Von dem Frontmann sind ikonografische Bilder zu sehen, die die entrückte Pose des Sängers vor allem in Schwarz-Weiß einfingen. Er war die Show, ob im Streifen- oder Harlekin-Overall.

Die britischen Musiker interessierten sich für den Fotografen, weil er bereits mit Led Zeppelin auf Tour war. Seine Episoden zur US-Band hörten die Briten gern. Und Neal Preston war in den 70er Jahren immer am richtigen Ort. Er wollte nicht aufs College und verknüpfte sein Interesse, Rockmusiker zu werden, mit seiner Leidenschaft für Fotografie. „Super-Hobby“ nennt er diese Entscheidung, die ihn bereits 1973 zu Led Zeppelin führte und zu The Who, zu Bruce Springsteen, Fleetwood Mac und vielen mehr. Preston war über den Ehrgeiz der großen Musiker erstaunt („Sie sind nie ganz zufrieden mit einem Gig, wenn er vorbei ist“). Er selbst hat einfach seine Helden fotografiert. Preston wurde ein Teil der Tour- und Konzertbranche, die sich in den 70er Jahren professionalisierte. Seine Aufnahmen verströmen jene knisternden Momente, die die Musiker auf dem Weg zu Ruhm, Erfolg und Geld erlebt haben. Preston machte aus Emotionen visuelle Kompositionen voller Energie und Selbstinszenierung, Obwohl es in der Branche zunehmend ums Geschäft ging, halfen Fotos wie die von Neal Preston dabei, dass der Impuls, Musik zu machen, sichtbar blieb. Über vier Jahrzehnte legte er ein Foto-Archiv an, aus dem allein über 1000 Aufnahmen für die 50 Episoden der Dokumentarserie „Behind the Music“ des US-TV-Senders VH-1 genutzt wurden. Preston war ein Magazin-Fotograf. Allein für die US-Zeitschrift „People Magazine“, die es seit 1974 gibt, bestritt er 700 Shooting-Tage. Preston war auch Nachrichten-, Sport- und Spezialfotograf. Für Filmsets wie bei „Almost Famous“ (2001) und „Vanilla Sky“ (2002) sowie für „A Star is Born“ (2018) mit Lady Gaga wurde er gebucht.

Die Fotos in Hamm zeigen exemplarisch, welche Genres sich in der Pop-Musikfotografie entwickelten. Freizeit zwischen den Konzerten – Brian May schnuppert 1978 an Blumen. Vor Konzerten fängt Preston die Leere großen Hallen ein. Die Treffen mit anderen Stars zählten dazu, wie 1980 als Freddie Mercury in New York mit Michael Jackson sprach. Studiobilder, Fansbegeisterung, Begegnungen mit Prominenz wie Lady Di und der Musiker mit seinem Instrument komplettieren das Sujet. Drogen und sexuelle Vorlieben werden nicht thematisiert. Fotografische Höhepunkte entstanden auf der Bühne zwischen Pyrokanone und Nebelmaschine. Die Schnappschüsse wirken ungebremst, manchmal naiv, aber immer aufrichtig – von einem, der selbst gern Rockstar geworden wäre.

Für den Geschäftsführer des Maximilianparks, Jörg Rogalla, fügt sich die Ausstellung „Queen“ in eine Reihe von Outdoor-Präsentationen. Nach fotografischen Landschaftsbildern nun also Pop-Geschichte. Schön ist, dass man Queen auch hören kann. „Radio Ga Ga“ und „We Will Rock You“ erklingen aus dem grünen Dickicht nahe den Bildwänden.

Bis 1. 11.; täglich 9 bis 21 Uhr; Tel. 02381/982100 www.maximilianpark.de

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