Professor Götz Alsmann hält seine Antrittsvorlesung

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Lehrstoff nach Noten: Professor Götz Alsmann bei seiner Antrittsvorlesung in Münster ▪

Von Ralf Stiftel ▪ MÜNSTER–Ein Mann, eine steile Tolle, eine Ukulele, ein Mikrophon. Und um ihn klicken Fotoapparate, laufen TV-Kameras. Die Antrittsvorlesung eines Professors lockt sonst nur akademisches Fachpublikum. Wenn aber der Musiker und Moderator Götz Alsmann seine Honorarprofessur an der Musikhochschule der Westfälischen Wilhelmsuniversität Münster antritt, gerät das zum Event. Zumal schon Uni-Rektorin Ursula Nelles nicht sicher war, was nun kommen würde: eine „Vorlesung“ oder eine „Vorsingung“. Alsmann selbst schuf den Begriff: eine halbkonzertante Vorlesung.

Eine gute Stunde lang gab der Honorarprofessor der Alma mater zu kosten, was sie von ihm erwarten darf. Eine Positionsbestimmung zum Schlager, die zugleich das eigene Schaffen rechtfertigte. Alles ausgehend von Miniatur von Bully Buhlan aus dem Jahr 1949: „Ich könnte mich am Nordpol nicht verlieben“. Das sei, so Alsmann, ein „hochklassiges, zweiminütiges Stück Unterhaltungsmusik“. Und damit „das Gegenteil von dem, was die meisten unter Schlager verstehen“. Es habe eine Zeit gegeben, in der das Genre nicht Musikern und Publikum peinlich war. Der Schlager sei die einzige Kunstform der Welt, die „an ihren schlechtesten Hervorbringungen gemessen“ werde. Aber es gebe eine „Welt jenseits des Gummiboots und der zehn nackten Friseusen“.

Diese Welt erschließt er den gut 400 Zuhörern mit seinem Streifzug durch die Schlagergeschichte, die er mit den Couplets in Offenbachs Operetten beginnen lässt. Immer wieder greift er zur Ukulele, einmal auch zum „Heimwehkompressor“ (dem Akkordeon), und spielt die Hörproben selbst ein. Was ihm Einwürfe erlaubt wie bei Willy Fritschs Schlager „Ich lasse mir den Körper schwarz bepinseln und fahre nach den Fidschi-Inseln“, wo er in eine kleine Pause ruft: „Germanisten bitte weghören!“ Immer wieder unterstreicht er die Qualitäten der kleinen Lieder. Dass es ihren Autoren wie Friedrich Hollaender, Walter Jurmann, Michael Jary gelang, Zeilen zu formulieren, die einem nicht mehr aus dem Sinn gehen. Die goldene Ära des Schlagers spannt sich für ihn von etwa 1920 bis 1960. Danach habe es eine „Selbst-Entmannung“ gegeben. Der pointensichere Umgang mit der Sprache sei verloren gegangen, und die Komponisten hätten nicht mehr das Niveau ihrer Vorläufer gehabt. Michael Jary, so Alsmann, habe immerhin bei Hindemith und Strawinsky studiert. Inzwischen gebe es wieder Interpreten und Hörer, die den Reiz der Schlager zu schätzen wissen.

Der Einstieg in die akademische Laufbahn ist geschafft. Der eigentliche Lehrbetrieb wird sich komplizierter gestalten, schließlich ist Alsmann mit 100 Live-Konzerten und seinen Fernseh-Auftritten gut beschäftigt. Die Honorarprofessur, mit der kein Lehrstuhl und somit auch kein Salär verbunden ist, wurde ihm angeboten. Was genau er unterrichten wird, steht noch nicht fest. Aber es wird wohl um Schlager und Jazz gehen, um Historie und praktische Tipps. Vorlesungen wird er halten, vielleicht mit weniger Liedeinlagen, dazu drei bis vier Blockseminare. Er denkt daran, Veteranen einzuladen, mit denen er befreundet ist, Bibi Johns, Bill Ramsey, Chris Howland, „ich hoffe, dass es lustig wird“. Und wenn er auch kein strenger Professor wird, so will er doch eins vermitteln: „Unterhaltungsmusik ist eine schwere Kunst. Das merkt man, wenn sich E-Musiker daran versuchen – und meistens scheitern.“

Quelle: wa.de

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