Die privaten Porträts von Peter Paul Rubens in Antwerpen

Mit einem verschmitzten Lächeln porträtierte Rubens seine erste Frau Isabella Brant um 1621. Die Zeichnung aus dem British Museum ist in Antwerpen zu sehen. - Fotos: Museum Rubenshuis

Von Ralf Stiftel ANTWERPEN - So zeichnet nur ein Liebender. Mit großen Augen schaut Isabella Brant uns entgegen. Ihr Haar ist nicht gründlich frisiert, einzelne Strähnen stehen ab. Ein Lächeln umspielt ihren Mund, und in ihre Grübchen verliebt sich auch der Betrachter sofort.

Den Oberkörper seiner Frau hat Peter Paul Rubens nur ganz flüchtig angedeutet mit einigen schnellen schwarzen Kreidestrichen. Aber ihr Antlitz, alles andere als eine klassisch-ideale Schönheit, das hat er in drei Farben ausgeführt, mit Tusche nachgearbeitet, bis die Zeichnung bei aller Spontaneität eben auch überaus plastisch erscheint.

Das Blatt aus dem British Museum London ist im Rubenshuis in Antwerpen zu erleben, in der wunderbaren Ausstellung „Rubens in private“. Der Antwerpener Meister (1577-1640) tritt dem Kunstfreund meistens als der Hofmaler gegenüber, ein Mann, der die Paläste europäischer Fürsten und die Kontore extrem reicher Kaufleute schmückte. Oder der lukrative Kirchenaufträge ausführte, deren Erträge man als prachtvolle Altäre zum Beispiel in der Antwerpener Liebfrauenkathedrale wiederfindet. Porträts standen nicht im Mittelpunkt seines Interesses. Umso spannender ist es, in der konzentrierten Ausstellung Bilder zu finden, die Rubens nur für sich malte, nicht im Auftrag. Eben seine Familie, Verwandte, Freunde.

„Rubens in private“ ist keine Großausstellung, die knapp 40 Exponate aber stammen aus den erlesensten Sammlungen. Das britische Königshaus zum Beispiel lieh gleich mehrere Werke aus, der Louvre, das Kunsthistorische Museum Wien, Museen in Washington, Detroit, Philadelphia. Einige der berühmtesten Bilder zum Thema sind nicht vertreten wie „Het Pelsken“, der einzigartige Akt von Rubens’ zweiter Frau Helena Fourment. Rubens ging sparsam mit seinem Material um. Seine Familienporträts malte er auf zusammengeleimte Holztafeln, ein billiges und heute überaus empfindliches Material. Darum sind manche Bilder nicht transportabel. Trotzdem bringt die Schau vieles zusammen. Erstmals findet der Kunstfreund alle erhaltenen Bildnisse von Isabella Brant, der ersten Frau des Künstlers. Sie war seine große Liebe, das zeigen seine Bilder. Ihr plötzlicher Tod 1626 traf ihn schwer. Außerdem sind Selbstbildnisse zu sehen, Porträts der Kinder, seines Schwagers und von dessen Frau. Bei Porträtaufträgen achtete Rubens auf das Dekorum. Er inszenierte die Adligen wie zum Beispiel die Marchesa Maria Grimaldi, die er mit ihrem Hofzwerg darstellte, um im Kontrast ihre Schönheit zu unterstreichen. In der Ausstellung findet man auch dafür Beispiele. Um 1622 porträtierte der Meister sich selbst, auf Wunsch des Prinzen of Wales. Da blickt uns ein Vertreter der Oberschicht entgegen, der im Ausschnitt seines schwarzen Mantels die Goldkette aufblitzen lässt, die sein Mäzen, der spätere König Charles I., ihm geschenkt hatte. Auch das späte Selbstporträt aus Wien (um 1638-40), wieder mit dem typischen großen Hut, zeigt den selbstbewussten Diplomaten und Höfling, der seine Linke in einer typischen Adelspose auf dem Degengriff ruhen lässt. Selbstporträts von berühmten Malern wie Rubens waren damals begehrt. Oft schufen Maler sie, um sich als Marke zu etablieren.

Umso auffälliger ist die Intimität und Ungezwungenheit, mit der der Maler seine Familie darstellt. Seine erste Tochter Clara Serena zeigt er in einer Ölskizze nahsichtig wie auf einem Passbild. Das Mädchen sucht den Blickkontakt, ganz ungezwungen wirkt die Haltung. Und wie lebendig ist das Gemälde von Helena, die ihren Sohn Frans auf dem Schoß hat, während links Clara zuschaut. Das Bild ist unvollendet, berührt als Momentaufnahme von Familienglück. Helena Fourment, die Tochter eines Seidenhändlers, war eine gute Partie. Als er sie 1630 im Alter von 53 Jahren heiratete, war sie 16 und galt als das schönste Mädchen der Stadt.

Von Isabella finden wir übrigens ein Porträt, das nicht Rubens schuf, sondern sein Schüler Anthonis van Dyck. Da sitzt sie in einem aufwendigen Kleid vor dem aufwendigen Portral des Rubenshauses – und lächelt kaum weniger gewinnend als auf den Bildern, die ihr Gatte malte. Die Kunsthistoriker vermuten, dass van Dyck das Bild um 1621 als Geschenk malte, ehe er sich vom Meister verabschiedete und nach Italien reiste.

Bis 28.6., di – so 10 – 17 Uhr,

Tel. 0032/3/20 11 555,

www.rubenshuis.be,

Katalog (nl., engl.) 39,95 Euro

Allg Info: Tourismus Flandern, Köln, 0221 / 270 97 70, www.flandern.com

Quelle: wa.de

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