Prinz Regent Theater zeigt Performance-Stück mit jungem Ensemble

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Schauspieler zwischen acht und 16 Jahren zeigen im Prinz Regent Theater „Dass nach dem Tag die Nacht kommt“.

Von Edda Breski

BOCHUM - Sprüche über die Kindheit gibt es eine ganze Menge, man denke nur an den Klassiker „Du bist aber groß geworden“, mit dem unzählige Omas oder Onkel ihre Neffen, Nichten und Enkel bei Familientreffen nerven. Aber was, wenn diese Situation umgedreht wird? Aus dieser Idee hat der britische Theatermacher Tim Etchells vor einigen Jahren ein Performance-Stück gemacht. Das Prinz Regent Theater in Bochum führt „Dass nach dem Tag die Nacht kommt“ mit Kindern aus Bochum auf.

Der Text ist aus typischen Elternsprüchen zusammengebastelt. „Ihr sagt uns“, beginnen die Sätze, und dann kommt es: Es gibt keine Monster unterm Bett. Das Kind soll aufessen, seine Schularbeiten machen und pünktlich zu Bett gehen. „Ihr fragt uns“, sagt ein Mädchen, „was wir wirklich denken.“

An sich ist das reichlich vorhersehbar und hat in der Bochumer Inszenierung von Romy Schmidt vor allem in der ersten Hälfte Längen. Die Sprüche kennt ja jeder, und in der Wiederholung werden sie auch nicht spritziger. Auch dann nicht, wenn wie in Bochum die Eltern mit im Zuschauerraum sitzen.

Interessant wird „Dass nach dem Tag die Nacht kommt“ durch die jungen Darsteller, 16 an der Zahl, acht bis 16 Jahre alt. Toll, wie locker sie auf der Bühne sind, wie frei sie spielen, tanzen und singen. Offenbar wurde mit ihnen in der dreimonatigen Probezeit sehr gründlich und einfühlsam gearbeitet.

Es ist nicht alles leichte Kost, es geht um Zuneigung und Anerkennung, Geheimnisse und Heuchelei. Aus einer Rezitation von Goethes „Erlkönig“ machte Romy Schmidt mit drei Jungen eine zweideutige Szene über Erwartungen, die Eltern an ihre Kinder hegen, und über Gefahren, die Kindern von Fremden drohen können. Am Ende verbeugen sich die Jungs, als hätten sie im heimischen Wohnzimmer eine Hausmusik gespielt.

Kindheit ist noch immer eine Spielwiese, auch wenn Generationengrenzen verwischen, wenn Kinder Erwachsenenkleidung tragen und Erwachsene sich jugendlich aufmachen. Romy Schmidt lässt aus einem Hasenloch – das sich bei Gelegenheit in eine Kinderdisco verwandeln lässt – eine Hasenfigur erscheinen, begleitet wird er von einer Spieluhrversion des Intros zu Nirvanas „Come as you are“. Ein wütender Grungehit, hier mal in Niedlich – eine sinnige Pointe.

Streckenweise hat die Inszenierung etwas vom Kinderladen, vor allem, wenn lebensgroße Erwachsenenfiguren als Hampelmänner von der Decke hängen. Am Ende geht es aber um Verständnis. Und das ist nicht die schlechteste Botschaft von der Theaterbühne.

12., 13.4., 3., 4.5., 1., 2.6.

Tel. 0234/771117

www.prinzregenttheater.de

Quelle: wa.de

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