Popstar Sasha singt bei Konzert im Kölner Gloria-Theater

Köln - Er ist schon ein Verwandlungskünstler, dieser Sascha Schmitz aus Soest. Der 43-Jährige fingerschnippte sich im Programm „Alive & Swingin‘“ mit edlem Zwirn durchs Schaffen von Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr.

Als Dick Brave mit Fake-Biografie und ebenso falschem kanadischen Akzent gab er sich auf zwei Platten dem Rockabilly hin. Davor, dazwischen und auch danach tritt Sascha als Sasha auf – und feiert damit seine größten Erfolge.

Im Kölner Gloria präsentiert der Musiker seine aktuelle Langspielplatte "The One", tags darauf steht er in Dortmund auf der Bühne. Morgen schon ist Frankfurt an der Reihe. Die Städte sind groß, die Konzertorte übersichtlich. Klein, aber fein soll es auf der Clubtour zugehen - und ein paar Überraschungen hat der Sänger auch noch im Gepäck.

Fünf Bandmitglieder reihen sich auf der kleinen Bühne im Gloria nebeneinander auf. Die Luft steht förmlich. Sasha trägt Mantel. Selbst schuld, in kürzester Zeit ist er nassgeschwitzt. Das Handtuch und die Wasserflasche werden zu seinen treuesten Begleitern an diesem Abend. Kein Grund zum Jammern: Sasha zaubert stattdessen Kölschen Singsang hervor. Horst Schlemmer und Reiner Calmund lassen grüßen.

Das Publikum im ausverkauften Haus lacht. Die meisten Zuhörer sind Damen. Um den Finger zu wickeln, braucht er niemanden. Das hat Sasha schon 1998 mit "If You Believe" gemacht und die Weiblichkeit schmolz dahin. Heute sucht man das Jungvolk vergebens - ein Zeichen dafür, dass auch Sasha musikalisch erwachsen geworden ist.

Popstar Sasha singt beim Konzert im Kölner Gloria-Theater

Die Vielfalt an Spielarten des Pop, die er in seinem rund 100-minütigen Set aus den Boxen klingen lässt, sind der Beweis, dass der Soester sich vom Popsternchen zum ernst zu nehmenden Musiker entwickelt hat. Seine alten Sachen verpackt er gekonnt in neue Kleider: "Rooftop" zum Beispiel wird zur Disco-Funk-Nummer. "Da braucht ihr Platz zum Hüftwackeln", ruft Sasha. Fehlen nur noch die Bootsy-Collins-Plateauschuhe.

"This Is My Time" geht auf Zeitreise in die 90er und belebt den Eurodance wieder. "Coming Home" swingt und jazzt, dass es eine wahre Freude ist, während Sashas gesangliche Qualitäten zum Vorschein kommen, er sich durch die Oktaven schwingt und Szenenapplaus einheimst.

Auch die aktuellen Songs gestaltet der Sänger abwechslungsreich. "A Girl Like You" hat Reggae im Blut, "The One", inspiriert von seiner zukünftigen Frau, wie er verrät, spielt mit Surfrock-Versatzstücken. Und "Me and My Gorilla" protzt nur so mit bluesigem Big-Band-Sound. Die neue Single gibt es auch: "Enjoy the Ride" heißt sie und soll "hoffentlich bald im Radio gespielt werden", lacht Sasha, ehe die Nummer die Akustikgitarren auspackt und sie nach Spanien-Urlaub schreien lässt.

Als Gastmusikerin holt Sasha Sängerin Lynne auf die Bühne. Mit ihr sang er schon auf der aktuellen Platte die Ballade "Silver Linings" ein. Auch in Köln lassen die beiden den Song, der vor Emotionalität nur so trieft, zum herzerweichenden Duett werden. "Von ihr werdet Ihr noch viel hören", promotet Sasha seinen Zögling.

Und tatsächlich, es dauert nicht lange, und Lynne steht alleine auf der Bühne und singt ihr eigenes Stück "Stole the Show". Ihr gefällt's ganz gut in Köln, sie bleibt noch ein wenig: Zusammen mit Sasha gibt es "Skyline", eine radiotaugliche Midtempo-Nummer mit einem Hauch Melancholie und schließlich "Mad Love", das an Melissa Etheridge mit Elektro-Einschlag und einer Prise Prince erinnert.

Zum Schluss ist wieder Nostalgie angesagt: Das eigentlich flotte "I Feel Lonely" wird zum toll produzierten, hymnischen Schmachtfetzen. Neu, aber gut. Überraschend gut.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare