Plakate von Uwe Loesch im Museum Folkwang Essen

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Uwe Loeschs Plakat „Gegen neofaschistische Propaganda im Internet“ (2000), zu sehen in Essen.

Von Achim Lettmann ▪ ESSEN–Seine Plakate sind anders. Das behauptet der Leiter des Deutschen Plakatmuseums in Essen, René Grohnert. Er weiß, von wem er spricht, und er meint Uwe Loesch. Loesch, der seit 1982 in der internationalen Plakatszene einen Namen hat, wird die erste Ausstellung des Deutschen Plakatmuseums in den neuen Räumen des Essener Museum Folkwang gewidmet. Auch dies ist wieder eine Auszeichnung mehr für das mittlerweile große Oeuvre des Plakatgestalters und Professors für Kommunikationsdesign in Wuppertal.

„Punktum. Plakatgestaltung von Uwe Loesch“ heißt die Ausstellung, die auf 40 Jahre zurückblickt. Das Plakat sei für Loesch eine Kommunikationsfläche, die Fragen zum Thema stimuliert, sagt René Grohnert. Und: „Er verlangt etwas vom Betrachter.“ Das heißt, Loeschs Plakate bebildern nicht mit plakativen Grafiken ein Thema, sondern bringen mit gezielten Bildelementen einen Gedankengang in Bewegung, der das Thema überraschend trifft und befragt. Zum Beispiel hat er für das Künstlerfestival in Mönchengladbach im Jahr 2000 ein Großflächenplakat gestaltet. Thema: „Gegen neofaschistische Propaganda im Internet“. Loesch zeigt Adolf Hitler ohne Haare und wendet sich gegen die sogenannten Glatzen. Wo der „Führer“ seinen Oberlippenbart hatte, steht „http://www.scheisse.de“ auf dem Großflächenplakat in Rot. Loeschs Kommentar zur Internetpräsenz der Neofaschisten.

Der Titel der Ausstellung geht auf eine Arbeit von Uwe Loesch zurück, die er 1982 für eine Lithografiefirma in Düsseldorf entwarf. Es steht für einen Minimalismus, der immer wieder in Loeschs Werk auftaucht. Der Punkt wird als kleinste Einheit der Druckgestaltung thematisiert, womit eben der Auftraggeber arbeiten muss. Die Produkte der Lithografiefirma lässt    Loesch außen vor. Sein Plakat zeigt die Mund- und Kinnpartie einer Frau mit Schönheitsfleck. Wobei dieser Punkt auch der Mittelpunkt des Plakates ist. Um ihn dreht sich alles, um die Schönheit (des Bildmotives) und um die Produktion (der Bilder an sich). Loesch abstrahiert und fragt nach dem Wert des Punktes.

In der Essener Ausstellung sind vor allem Plakate zu sehen, die für Museen, Galerien, Kulturveranstaltungen und -einrichtungen wie das Kabarett „Kom(m)ödchen“ in Düsseldorf entworfen wurden. Loesch unterstreicht allerdings auch, dass er viel für Firmen aus der Wirtschaft gearbeitet hat. Besonders stolz ist der gebürtige Dresdener, der seit 1958 in Düsseldorf lebt, aber auf seine Teilnahmen an Festivals für zeitgenössische Künstler. Auf der Biennale in Finnland hat er sogar den Hauptpreis gewonnen und mit seiner angewandten Kunst bildende Künstler ausgestochen. Loesch ist ein Wanderer zwischen den Kunstwelten.

Wie hintersinnig er vorgeht, zeigen auch seine politischen Plakate. 1986 hat er über die radioaktive Umweltverschmutzung nach dem Supergau in Tschernobyl reflektiert. In dem Plakat „IQ“ ist der Umriss einer Kuh zwischen Formelementen in Gelb und Schwarz zu erkennen, den Farben des dreieckigen Atomzeichens. In einem zweiten Bild ist die Kuh in Loeschs Camouflage-Technik verschwunden. Unsichtbar war seinerzeit auch die Strahlenbelastung der Milch. Mütter sollten ihren Kindern keine Milch geben. Die schleichende Verunsicherung und die radioaktive Belastung griffen ineinander.

Insgesamt hat Uwe Loesch über 400 Plakate entworfen. 30 Einzelausstellungen sind zu seinem Werk kuratiert worden. Das Deutsche Plakatmuseum demonstriert in Essen, wie eng das Institut Loeschs künstlerisches Schaffen begleitet hat.

Bis 13.6.; di – so 10 bis 18, fr bis 22.30 Uhr, Katalog 24 Euro,

Tel. 0201/ 8845 444,

http://www.museum-folkwang.de

Quelle: wa.de

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