Pinhole-Kunst und Lochkamera in Iserlohn

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Das Seine-Ufer in Paris fotografierte Grzegorz Sawa-Boryslawski mit der Lochkamera, die ohne Objektiv arbeitet, zu sehen in Iserlohn. ▪

Von Annette Kiehl ▪ ISERLOHN–Die Bilder, die das International Lochkamera-Festival in Iserlohn in den Mittelpunkt rückt, entsprechen nicht den gängigen Anforderungen an Fotografie. Manche scheinen verwackelt, einige haben Unschärfen, sind dunkel umrandet. Doch gerade diese Unterschiede zur konventionellen Fotografie machen die Werke besonders. Durch die Aufnahme mit der Lochkamera entsteht eine Tiefe, Emotionalität und mitunter eine zusätzliche Dimension. Diese Fotos bilden nicht allein ab, sie erzählen Geschichten.

Das erste „Pinhole Iserlohn 2010“-Festival gibt der Lochkamera-Kunst eine Bühne und den Fotografen ein Forum zum Austausch. Arbeiten von 33 Teilnehmern aus fünf Ländern werden in der Städtischen Galerie, dem Museum sowie der historischen Fabrikanlage Maste-Barendorf ausgestellt und konkurrieren im Wettbewerb um den Jurypreis von 1000 Euro. Zudem sind mit der Lochkamera hergestellte Kurzfilme zu sehen.

Das Festival, laut den Veranstaltern das erste seiner Art in Deutschland, soll einen Gegenpunkt zur vermeintlich perfekten Digitalfotografie setzen. Tatsächlich zeigt es deutlich das künstlerische Potenzial dieser Technik, die nach dem Prinzip der Camera Obscura ohne Linse funktioniert.

Der polnische Fotokünstler Grzegorz Sawa-Boryslawski stellt in Iserlohn eine Aufnahme des Seine-Ufers in Paris vor. Das schwarz-weiße Foto scheint zerknüllt, alt, verkratzt. Doch gerade diese Effekte, die Ränder, Wellen und zerfließenden Konturen, ziehen den Betrachter in die Szenerie hinein. Sie verleihen der Aufnahme die Anmutung einer alten unklaren Erinnerung, die nicht mehr ganz genau ist, doch eben Spuren im Bewusstsein hinterlassen hat.

Die Gegenüberstellung solcher Bilder mit den Arbeiten anderer Fotografen demonstriert in der Ausstellung die vielfältigen Ausprägungen und Möglichkeiten der sogenannten Pinhole-Fotografie: Die rätselhaften und schwer fassbaren Bilder von kargen Parkplatzlandschaften von Igor Patryk Olés, die dreigeteilten, narrativen Aufnahmen des Dortmunders Jan Wille, die geheimnisvoll wirkenden Fotos einzelner Gegenstände von Ewa Ruschkowski, die als Mitarbeiterin der städtischen Galerie das Festival initiierte. Die Idee hatte sie aus Polen mitgebracht, wo die Künstlerszene besonders aktiv ist.

Die Fotografien des Heidelberger Künstlerduos Cy Dee von moderner Architektur sind in ihrer Klarheit und Strenge untypisch für die Pinhole-Fotokunst. Doch sie folgen der ursprünglichen Bedeutung der Lochkamera als Instrument zur exakten Abbildung von Menschen, Landschaften und Gegenständen. Bereits im 17. Jahrhundert nutzten Künstler es als Hilfsmittel für ihre Malerei. Cy Dees modern wirkende Aufnahmen zeigen scharfe Kontraste und Spiegelungen, erzeugen dabei jedoch durch die Überlagerung von Motiven bestechende und fast schon verspielte Effekte. Ein Gefühl für die Dimensionen und die Atmosphäre der abgebildeten Gebäude entsteht. Die Architektur wird fassbar.

Ausstellungen

Das erste Internationale Lochkamera-Festival Iserlohn stellt bis 29. August die Arbeiten von 33 Pinhole-Künstlern vor. Zu sehen in der Städtischen Galerie Iserlohn, im Stadtmuseum und in der Historischen Fabrikanlage Maste-Barendorf.

Telefon 02371/217197 http://www.iserlohn.de

Quelle: wa.de

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