Das Picasso-Museum in Münster zeigt Bilder zu Krieg und Frieden

„Mann mit Schaf“ (Bronze, 1943) von Pablo Picasso.

MÜNSTER - Picasso hatte die Tauben von Henri Matisse schenkt bekommen. Es waren Mailänder Tauben, deutlich kleiner und eleganter als die Exemplare in unseren Städten. Der Künstler dachte 1942 noch nicht an die Friedenstaube, die mit seinem Namen verbunden werden sollte. Damals schuf er Tuschzeichnungen und 1949 eine Lithografie.

Neben dem Krieg – mit dem Monumentalbild „Guernica“ (1937) – sollte Picassos Werk fortan auch für den Frieden stehen. Der Schriftsteller Louis Aragon sah die Taube 1949 im Pariser Atelier und wählte das Motiv für einen Friedenskongress aus. In Münster ist die Taube Teil des Ausstellungsprojekts „Frieden. Von der Antike bis heute.“

Im Kunstmuseum Pablo Picasso werden in der Präsentation „Picasso. Von den Schrecken des Krieges zur Friedenstaube“ die zwei bekanntesten Bildwerke des größten Künstlers des 20. Jahrhunderts vorgestellt. Sie stehen für die politische Haltung des Spaniers, dem allerdings die Taube als Friedenssymbol nur angehängt wurde. Picasso rümpfte die Nase über Aragons Auswahl, weil er Zeuge war, wie Tauben einmal einen Artgenossen mit bloßen Schnabelstößen getötet hatten. „Das war furchtbar...“, sagte Picasso. Also ein Signet für die Friedensbewegung lag ihm fern.

Aber viele Menschen sehnten sich nach dem Weltkrieg und mit dem beginnenden Kalten Krieg nach Frieden. Picasso, der 1944 in die kommunistische Partei Frankreichs eingetreten war, liefert von 1949 bis 1962 verschiedene Tauben-Variationen für zehn politische Plakate der Kommunisten. Auch die biblische Taube, die Noah mit dem Ölzweig im Schnabel signalisierte, die Erde ist wieder bewohnbar, wurde von Picasso 1961 aufgegriffen. Er dynamisierte das Motiv als fliegende Taube (1950), zeigte den Vogel vor Ruinen des Krieges (1959) und schuf allegorische Variationen, zu denen auch ein Tier gehörte, das auf dem Federkleid die Gesichtszüge von Francoise Gilet (1951) trug, Picassos damaliger Muse. Für die „Fliegende Taube (im Regenbogen)“ nutzte der Künstler einen gestreiften Hintergrund. So wird das farbige Zeichen von der Verbindung zwischen Gott und Welt assoziierbar.

Wie verständlich und plakativ musste ein Motiv sein und wie avantgardistisch und anspruchsvoll, führte Picasso das Werk aus? Eine Grundsatzfrage, die ihn schon bei „Guernica“ 1937 beschäftigte. Nach dem Angriff der faschistischen Legion Condor auf das älteste baskische Dorf im spanischen Bürgerkrieg entstand das letztlich bekannteste Werk des 20. Jahrhunderts. In Münster sind Fotografien von Dora Maar zu sehen, die die Skizzen und Arbeitszustände in Schwarzweiß festhielt. Zu dem Gemälde selbst, das in Madrid hängt und nicht ausgeliehen werden darf, ist eine moderne Paraphrase in Münster zu sehen. Tatjana Dolls Variante lässt Picassos Figuren- und Formfindungen durch Ergänzungen und Fließ-Bildungen an Kontur verlieren: „RIP_Im Westen nichts Neues II“, 2009. Insgesamt werden 60 Exponate ausgestellt.

Picasso hatte auf den 1. Weltkrieg bildnerisch nicht reagiert. Aber zwei Aquatinta-Radierungen mit jeweils neun Motiven belegen, dass er sich 1937 politisch äußerte. Anfang des Jahres spießte er die Allianz des Diktators mit der katholischen Kirche in „Traum und Lüge Francos“ auf. Der spanische General reitet auf einem Schwein, was seine niederen Beweggründe belegen soll. Oder der „Caudillo“ kniet vor einer Monstranz, die einem 5-Peseten-Stück ähnelt: die Anbetung des Mamon statt Frömmigkeit. Es sind freche und derbe Verballhornungen, die an beißende Karikaturen erinnern.

Neben Krieg und Frieden thematisiert die Schau, die von Alexander Gaude kuratiert wurde, Picassos Pariser Zeit unter den Nationalsozialisten. Als größtes Exponat dieser Schaffensphase steht die Skulptur „Mann mit Schaf“ (Bronze, 1943) in Münster. Dem Tier werden drei Läufe umfasst, es bäumt sich vor dem stracken Mann auf, der einem zweiten Blick als guter Hirte nicht stand hält. Nach 34 Jahren steht dieses Werk wieder in Deutschland. Die Oberfläche ist rau, wie Rodins Plastiken, und somit ein Votum gegen die große Arno-Breker-Ausstellung, die die Nazis 1942 in Paris einrichteten. Breker idealisierte mit glatten Flächen nach griechischem Vorbild. Picasso nicht, sein „Mann mit Schaf“ ist widersetzlich und lässt sich auch als Hinweis auf die Deportation der Juden begreifen.

Bis 2. 9.; di-so 10 – 18 Uhr; Katalog 19 Euro, Sandstein-Verlag; Tel. 0252/ 4144 710; www.kunstmuseum-picasso- muenster.de

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