Das Pferd im Werk von Emil Schumacher

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Das stürzende Tier: Emil Schumachers Gemälde „Falacca“ (1989) ist in Hagen zu sehen.

Von Marion Gay HAGEN - Dramatisch und fast wie ein Phantom bäumt sich das Pferd vor dem gewittrig-gelben Hintergrund auf. Der schwarze Körper voller Kraft und Anmut. Das Bild „Margallo“ (1992) ist eins von rund 50 Werken, die das Emil-Schumacher-Museum in Hagen in seiner sehenswerten Kabinettausstellung „Emil Schumacher – Kreatur Pferd“ präsentiert. Die Ölgemälde, Gouachen, Collagen, Zeichnungen und wenige Keramiken und Objekte stammen aus den letzten zwanzig Schaffensjahren des Künstlers.

Das Thema „Pferd“ durchzieht die Kunstgeschichte, angefangen bei der Höhlenmalerei über die klassischen Reiterstandbilder bis hin zu Franz Marcs blauen Pferden. Auch Emil Schumacher (1912–1999) setzte sich immer wieder intensiv mit dem Pferd auseinander. Er war nie Reiter, näherte sich den Tieren als respektvoller und sensibler Beobachter und studierte ihre Bewegungen. So beeindrucken Schumachers Pferde in ihrer anmutigen Lebendigkeit, manche galoppieren, andere traben ruhig dahin, viele grasen in Gruppen. Eine Kreidezeichnung von 1991 zeigt eine Herde auf einer rosa-gelben Weide. Die Körper sind mit schwarzen Linien grob skizziert, wie flüchtig eingefangen.

Eins der am meisten beeindruckenden Bilder der Ausstellung ist sicher das Ölgemälde „Falacca“ (1989): Das Pferd, mit unterschiedlich breiten Linien umfasst, füllt monumental das gesamte Großformat. Sein Kopf senkt sich zu Boden, die Vorderbeine knicken ein, die Hinterbeine rutschen nach vorn. Das eben noch so kraftvolle Tier bricht genau in diesem Moment zusammen.

Auf der Serie von Tuschezeichnungen, die der Künstler 1985 während seines Stipendiums in der Villa Massimo in Rom anfertigte, finden sich Pferde als Reittiere. Im Bild „Terrano XVI“ (1991) lassen sich Menschen und Karren erkennen. Das bleibt aber Ausnahme, fast immer sind Schumachers Pferde frei und in urwüchsiger Landschaft. Die Collage „Arbo“ (1992) zeigt ein weißes Pferd neben einem gigantischen schwarzen Baum. Auffällig ist, wie virtuos und frei Schumacher mit dem Material experimentiert. Er fügt ein schwarz übermaltes Eichenblatt ein, das sich überdimensional vom Ast löst, ein Stück grobes Leinen wird zum Teil der Landschaft. Die schwarze Farbe des Baumstamms wirkt schrundig und knotig, die rechte Bildhälfte scheint in Flammen zu stehen.

Was auf einer anderen Collage wie ein sternenübersäter Nachthimmel aussieht, ist in Wirklichkeit Kaminasche. Ein anderes Mal mischt Schumacher Grashalme in die Farbe und gibt dem Pferd dadurch Zottelfell.

Im Bild „Boscone“ (1991) ist der Wald ein geheimnisvolles Dickicht, die Äste der Bäume ineinander verschlungen. Daneben, die gelb verdorrte Landschaft, hebt und senkt sich. Schumacher trägt die Farbe hier so dick auf, dass sie an Erdschichten erinnert. Sehr filigran das weiße Pferd am Rand, anmutig, fast zaghaft, senkt es seinen Kopf vor den Bäumen.

Eröffnung Sonntag, 15. Dezember, 11.30 Uhr

Bis 9.3.2014,

di – fr 10 – 17, do 13 – 20 , sa, so 11 – 18 Uhr,

Tel. 02331/ 2073138

www.esmh.de

Quelle: wa.de

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