Pfarrer Braun klärt „Grimms Mördchen“ in der ARD

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Alles nur Märchen: Museumsdirektor Dr. Gauß (Christoph M. Ohrt/von rechts), Kommissar Geiger (Peter Heinrich Brix) und Pfarrer Braun (Ottfried Fischer) sorgen sich um das Weltdokumentenerbe im Film „Grimms Mördchen“. ▪

Von Bernd Luig ▪ KASSEL–„Kassel? Wieso ausgerechnet Kassel?“ – Pfarrer Braun (Ottfried Fischer) befürchtet „Festungshaft“, als er seine neue Wirkungsstätte erfährt. In der Episode „Grimms Mördchen“, die heute in der ARD läuft, verschlägt es den regelmäßig strafversetzten Hobby-Ermittler in die nordhessische Metropole. Was ihn in der Großstadt mit dem Langweiler-Image erwartet, würde Bischof Hemmelrat (Hans-Michael Rehberg) „fast Urlaub nennen: keine Gemeinde, nur repräsentieren.“ Monsignore Mühlich (Gilbert von Sohlern) stachelt den klerikalen Killerjäger geheimnisvoll an. Vielleicht gebe es dort „einen hübschen kleinen Mord – ein Mördchen“.

Eben erst hat Pfarrer Braun sein neues Domizil, die pittoreske Löwenburg erreicht, da gibt ihm der Herrgott prompt das gewünschte Zeichen. In der Kapelle plumpst „Hochwürden“ ein Nagel des Gekreuzten direkt auf seinen Kopf. Die Aufforderung zum „Kriminalisieren“, wie der Fahnder von Gottes Gnaden seine skurrile Detektivarbeit nennt. Mysteriöse Todesfälle stellen sich erwartungsgemäß ein. Allen voran Brauns Vorgänger Pfarrer Hummel, der offiziell zwar wegen eines „Herzkaspers“ das Zeitliche segnete, aber viele offene Fragen mit ins Grab nahm.

Normalerweise schreiben Drehbuchautoren nur verdienten Schauspielern eine Rolle auf den Leib – wie im September Mario Adorf in „Der letzte Patriarch“. Bei dieser kruden Krimi-Klamotte zettelte der verantwortliche Produzent die Auftragsarbeit in eigener Sache an: Hubertus Meyer-Burckhardt. Der Geschäftsführer des Unternehmens Polyphon stammt aus Kassel. Als einer der bekanntesten Söhne der Stadt – im Zweitjob Gastgeber der „NDR-Talkshow“ – bescherte er seiner Heimat den ungewohnten Fernsehruhm.

Von den Autoren Cornelia Willinger und Stephan Reichenberger ließ sich der Produzent nicht nur zum Schauplatz die passende Geschichte stricken, sondern gönnte sich selbst auch noch eine Gastrolle. Als Monteur taucht Hubertus Meyer-Burckhardt auf und darf den für die Region typischen Zungenschlag mit ins Spiel bringen – ein holpriger Auftritt, der eher peinlich als pointiert wirkt.

Ansehnlicher erscheinen dagegen die Kasseler Schokoladenseiten, die Regisseur Wolfgang F. Henschel wie für einen Tourismus-Werbefilm prachtvoll in Szene setzt: den Bergpark Wilhelmshöhe, die Herkules-Statue, die die Arkaden überragt, die Teufelsbrücke und vor allem die wie eine Disneyland-Kulisse wirkende Löwenburg.

„Ein alberner Nachbau aus dem 18. Jahrhundert und immer noch nicht fertig“, wie Margot Roßhauptner (Hansi Jochmann) spöttisch bemerkt. Pfarrer Brauns Haushälterin macht beim neunten Umzug in acht Jahren nicht nur die Bekanntschaft mit einem neuen Bett und wieder einer anderen „Art von Kreuzschmerzen“. Sie lernt auch, dass Kassel Europas Waschbären-Hauptstadt ist.

Dreh- und Angelpunkt der hanebüchenen Mordserie, die ein Richter gar als einen „verspäteten Amoklauf“ einstuft, bildet die besondere Verehrung der „Kasseläner“ für die Gebrüder Grimm. Auf der ständigen Suche nach Kalauern und Pointen rund um die sieben Zwerge tischt der Film zahlreiche Anspielungen auf, die Pfarrer Braun selbst einmal korrekt bewertet: „wie an der Zipfelmütze herbeigezogen.“

ARD, 20.15 Uhr

Quelle: wa.de

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