Peter Paul Rubens im Von-der-Heydt-Museum Wuppertal: Maler und Diplomat

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Die Liebe schätzte Peter Paul Rubens hoch: „Venus und Amor“ (um 1606–1611) in Wuppertal. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ WUPPERTAL–So sehen Sieger aus. Peter Paul Rubens hat Abraham als muskelbepackten, vollbärtigen Helden in schimmernder Rüstung gemalt. Der Stammvater der Israeliten hat erfolgreich seinen Neffen Lot aus der Gefangenschaft in Sodom befreit. Melchisedek, der Priesterkönig von Salem, huldigt ihm, lässt ihm Brot und Wein reichen und segnet ihn. Im Alten Testament ist das nur eine kleine Szene. Aber im Europa des 17. Jahrhunderts, in einer Epoche der Unruhe und Kriege, bebildert der Künstler mit ihr die Harmonie zwischen Kirche und Staat.

Man sollte sich an solchen Monumentalbildern trunken sehen, an den athletischen Dienern, die die Zutaten zum sozusagen vorausgedachten Abendmahl heranschleppen, am grellen Rot des Feldherrn- und des Königsmantels, am majestätischen Himmelsblau im Triumphbogen. Das prachtvolle Gemälde ist im Von-der-Heydt-Museum Wuppertal zu sehen. Das Haus zeigt tatsächlich einige große Gemälde, herrlich spontane Ölskizzen und Zeichnungen des Malerfürsten, was schon allein eine Großtat wäre. Aber es hat auch ein schlüssiges Thema für dieses Fest der Malerei: Die Schau, von Museumsdirektor Gerhard Finckh kuratiert, behandelt die Doppelfunktion des Künstlers und Diplomaten.

Peter Paul Rubens (1577– 1640) ist der wichtigste flämische Maler des Goldenen Zeitalters, das für die Menschen, die in ihm lebten, lang nicht so glänzte wie für die Nachwelt. Solange Rubens lebte, herrschte in Europa Krieg. Er war davon unmittelbar betroffen: Sein Vater, ein wohlhabender Anwalt und angesehener Schöffe in Antwerpen, musste aus der Stadt fliehen, weil er reformiert war. Darum wurde Peter Paul in Siegen geboren, wuchs in Köln auf und kehrte erst nach dem Tod des Vaters 1589 nach Flandern zurück, wo er das Handwerk erlernte. 1600, auf einer Italienreise, wurde er in Mantua Hofmaler des Herzogs Gonzaga. Der schickte ihn an den spanischen Königshof, um Geschenke zu überbringen. Eine diplomatische Mission.

Rubens war der ideale Mann dafür: Charmant, sprachbegabt, hochgebildet. Und unverdächtig. Als Maler mit europaweitem Renommee hatte er einen guten Grund, bei Herrschern vorbeizuschauen. Während die Fürsten Modell saßen, hatte Rubens Zeit, ihnen seine Anliegen vorzutragen. Seine Biografie machte Rubens zum überzeugten Friedensboten. Als Protestant geboren, arbeitete er später in Antwerpen, einer der Hochburgen der Gegenreformation, und etablierte eine Reihe wichtiger Bildmotive wie die Verherrlichung Marias und die emotional besonders aufgeladene Form der Kreuzigung, in Wuppertal in einem Gemälde aus dem Antwerpener Koninklijk Museum voor schone Kunsten (um 1610/12) zu bewundern. Er war Humanist, verehrte antike Philosophen wie Seneca.

Als 1608 seine Mutter erkrankte, kehrte er in die Niederlande zurück. Die Statthalter Albrecht und Isabella ernannten ihn zum Hofmaler, in privilegierter Stellung, die ihm unter anderem Befreiung von der Steuer eintrug und das Recht, nicht am Hof in Brüssel zu leben, sondern in Antwerpen. Ab 1622 übernahm er politische Missionen, vor allem Verhandlungen über einen möglichen Friedensschluss im Dreißigjährigen Krieg. So verhandelte er in Paris mit Maria de Medici und dem Kardinal Richelieu. Auch später war er unterwegs, in den Nördlichen Niederlanden, in Feldlagern, in England. Seine wichtigste Mission am englischen Hof hatte Erfolg: Er bereitete den Frieden zwischen Spanien und England vor. Und immer malte er auch. Dem englischen König Karl I. übersetzte er seine Botschaft in das Gemälde „Krieg und Frieden“ (um 1629): Im Zentrum sitzt die nackte Friedensgöttin und drückt aus ihrer Brust einen Milchstrahl für den kleinen, hungrigen Liebesgott. Dahinter will der streitlustige Kriegsgott stören, aber Minerva, die Göttin der Vernunft, drängt ihn beiseite. Rubens hat die ursprüngliche Komposition noch erweitert. Auf einer links angestückelten Szene schleppen ein Satyr und eine Göttin Nahrung und Güter herbei. Das Gemälde ist in Wuppertal leider nur als Reproduktion zu sehen, die National Gallery in London verleiht es nicht.

Trotzdem ist die Schau gut bestückt. Man kann in den Meisterwerken immer neue Botschaften entdecken. Den Feldherrn Spinola porträtiert Rubens in Prunkrüstung, aber ohne Triumphgestus, mit offenem Blick, um zu unterstreichen, dass er ein verlässlicher Verhandlungspartner ist.

Während Rubens mit Maria de Medici verhandelte, schuf er für ihren Palast einen Bilderzyklus, der ihre Regentschaft verherrlichen sollte. Eine schwierige Aufgabe, denn tatsächlich hatte die Herrscherin Frankreich in ein Chaos gestürzt, sich sogar mit ihrem Sohn Ludwig XIII. zerstritten. Der Zyklus ist fest im Louvre installiert, aber Ölskizzen und Druckgraphik stellen zentrale Motive vor.

Noch ein so profanes Motiv wie die Wildschweinjagd transportiert eine Botschaft: In dem Gemälde (um 1615/ 16) schwebt vor dem mächtigen Keiler ein Treiber in Lebensgefahr, weil sein Speer abgebrochen ist. Der Herrscher rettet ihn, indem er dem Tier mit dem Schwert den Todesstoß versetzt.

Die Schau

Eine prachtvolle Übersicht demonstriert die Doppelfunktion des Meisters als Künstler und Diplomat: Peter Paul Rubens im Von-der-Heydt-Museum Wuppertal. Bis 28.2.2013. di, mi 11 – 18, do, fr 11 – 20, sa , so 10 – 18 Uhr, Tel. 0202/563 26 26, http://www.von-der-heydt-museum. de; Katalog 25 Euro

Quelle: wa.de

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