Peter Maffay mit Orchester in der Westfalenhalle Dortmund

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Wurde vom Orchester begleitet: Peter Maffay. ▪

DORTMUND ▪ Deep Purple haben es vor Jahrzehnten vorgemacht, Metallica waren damit sehr erfolgreich und auch Sting tourte schon mit einer besonderen musikalischen Unterstützung. Für Peter Maffay ist die Kombination Rock plus Orchester eine perfekte „Symbiose aus Krawallmachern und Musikern, die aus der Klassik kommen“, wie er beim Auftritt im Rahmen seiner Tattoo-Tournee in den Westfalenhallen erklärt. Von Tim Griese

Deswegen ist es auch nicht einfach nur ein Rock-Konzert im ausverkauften Haus, sondern eine richtige Show-Produktion. Überzeugen davon konnten sich die Fans des Sängers bereits im vergangenen Jahr, als er einen ersten Stopp in Dortmund machte. Optisch setzt Maffay, der mit einer Harley auf die Bühne fährt, dann auch auf Bewährtes: Im Bühnenhintergrund ist das rund 30-köpfige Philharmonic Volkswagen Orchestra auf einem zwei Etagen großen Gerüst arrangiert. Davor wirbelt Dirigent Hans-Ulrich Kolf seine Arme im Takt. Für den Rock sorgt die sechsköpfige Peter-Maffay-Band, die ihr Handwerk perfekt beherrscht und ein über viele Jahre eingespieltes Team ist. Die Freude am Musizieren ist jederzeit deutlich spürbar und reißt die Zuhörer ebenso mit wie Maffays unermüdliche Präsenz. Unterstützt wird der Auftritt durch die hervorragende Akustik in den Westfalenhallen. Das findet auch Maffay selbst. „Ein toller Klangkörper“, befindet er. Er selbst ist stimmlich ein wenig angegriffen und entschuldigt sich auch gleich, etwas heiser zu sein. Auffallen tut dies aber nur, wenn er sich in höhere Stimmlagen begibt.

Anders als der Titel der Tour vermuten lässt, steht nicht ausschließlich das gleichnamige aktuelle Album im Vordergrund des Konzerts, sondern ein ausgewählter Querschnitt aus über 40 Jahren Bühnengeschichte untermalt mit Posaune, Violine und Kontrabass. Jeden einzelnen Titel kündigt Maffay an, erzählt Anekdoten oder etwas zur Entstehungsgeschichte der Songs. „Und es war Sommer“ gehört ebenso zum Repertoire wie Maffays Debüt-Single „Du“ und das Karat-Cover „Über sieben Brücken musst du geh‘n“. Ein verschüchtertes junges Mädchen aus dem Publikum darf ihn beim Refrain auf der Bühne stimmlich unterstützen. Wie es klingt, wenn die Band wegbleibt und Maffay nur von den Philharmonikern begleitet wird, zeigt er dann bei „Ewig“, dem heimlichen Höhepunkt des Abends.

Hitverdächtig ist auch die zum Teil selbstironische Bilder-Show, die über die Leinwände flimmert. Fotos und Titelseiten von Jugendzeitschriften zeigen den Maffay der Vergangenheit in roten Plateauschuhen, orange-farbenen Schlaghosen und mit einem Dalmatiner an der Leine.

Sympathisch und immer mit einem Lächeln auf den Lippen wickelt Maffay seine Fans um den Finger. Nach wenigen Songs sitzt fast niemand mehr in den komplett bestuhlten Westfalenhallen. Als der Klassiker „So bist du“ angespielt wird, ist es mit der Ordnung in den Blöcken vollends vorbei, die Fans rennen reihenweise an die Bühnen-Absperrung und lassen die wenigen Ordner hilflos zurück. Maffay will seine Fans offenbar ganz nah bei sich haben und geht auf Schmusekurs. Am Ende genießt er das wohlverdiente Bad in der Menge, klatscht mit unzähligen Armen ab und posiert für Fotos: Maffay zum Anfassen. Die Fans danken es ihm und lassen ihn und die Band erst nach rund drei Stunden von der Bühne.

Quelle: wa.de

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