Peter Gabriel begeistert in der Kölnarena mit Orchester

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Peter Gabriel ▪

Von Jörn Funke ▪ KÖLN–Peter Gabriels Schuldeutsch ist noch ganz passabel. Pünktlich um 20.15 Uhr steht er am Samstagabend auf der Bühne der Kölnarena und sagt das Abendprogamm an. Orchestermusik gibt es, und Gabriel erzählt genau, was er da vorhat: zuerst das neue Album am Stück, danach ausgewählte Werke aus seiner langen Karriere. Für den ersten Teil der Ankündigung gibt es höflichen, für den zweiten größeren Applaus. Drei Stunden später gibt es Standing Ovations für einen gelungenen Pop-Abend mit klassischen Instrumenten.

Drums und elektrische Gitarren werde er zuhause lassen, hatte Gabriel schon im Vorfeld verkündet und sicherheitshalber auch auf Plakate und Tickets drucken lassen. Dafür ist das gut 60-köpfige „New Blood Orchestra“ unter der Leitung von Ben Foster dabei. Mit den Bläsern und Streichern hatte Gabriel bereits sein aktuelles Album „Scratch My Back“ aufgenommen, eine Sammlung von Cover-Versionen.

Ihm gefalle die Idee, dass die Songs auf einem Album eine Geschichte erzählen, sagt der mittlerweile 60-Jährige in Köln. Was das für eine Geschichte ist, bleibt dann dem Zuhörer überlassen. In jedem Fall beginnt sie mit verstörenden Klängen. Mit „Heroes“ von David Bowie eröffnet Gabriel den Liederreigen. Eine Liebesgeschichte im Schatten der Berliner Mauer hatten Bowie und Brian Eno 1977 geschrieben, eine der großen Hymnen der Rock-Geschichte. Gabriels Arrangeur John Metcalfe wischt alle romantischen Anklänge beiseite, der Abend beginnt mit einem Abgesang auf die Liebe. Dass dieses Statement nicht endgültig ist, versteht sich von selbst.

Gabriel singt von Kindheit, Krankheit, Tod und – natürlich – immer wieder von Liebe. Dafür hat er Songs etablierter Kollegen wie Paul Simon, Neil Young, Lou Reed und David Byrne ausgewählt. Andere Beiträge verdankt er nach eigener Aussage dem Musikgeschmack seiner Töchter. Die hören Indie-Bands wie Arcade Fire, Elbow und Bon Iver. Es gibt eine anrührende Version von „The Book of Love“ von „The Magnetic Fields“. Auf den Videowänden schenken sich lustige Strichmännchen Blumen, Herzen und Hochzeitsringe.

Mit den kontrastreichen Orchesterarrangements schaffen Gabriel und seine Musiker teils berührende Klangbilder. Dabei bleiben die Lieder immer das was sie sind: Popsongs, und zwar ziemlich gute. Das gilt auch für die Werkschau, die auf „Scratch My Back“ folgt. Mit breit angelegten Liedern wie „San Jacinto“ und „Mercy Street“ hatte Gabriel schon vor Jahren eine symphonische Ader offenbart. Doch das stampfende „The Rhythm of the Heat“, die paranoide „Intruder“, die Klanggewitter von „Signal to Noise“ überraschen im besten Sinne.

An einigen Stücken kommt Peter Gabriel nicht vorbei. Ein Konzert ohne „Solsbury Hill“? Undenkbar. Der Hit reißt die Menge von den Stühlen, er klingt gar nicht viel anders als in der Band-Version. Dafür singen alle mit, genauso wie bei „In Your Eyes“ und „Don't Give Up“. Gabriel dankt für „eine wunderbare Nacht“. Ein kleines Instrumentalstück noch, das wenig bekannte „The Nest That Sailed The Sky“, dann geht das Publikum beseelt nach Hause.

http://www.petergabriel.com

Quelle: wa.de

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