Performance „Laughing Hole“ bei der Ruhrtriennale

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Politische Parolen und Gelächter: Szene aus der Performance mit La Ribot.

Von Edda Breski ESSEN - Ganz nah kommt die Frau im rosa Kittel. Sie robbt an ihre Zuschauer heran, hält ihnen ihr Pappschild und ihr Gesicht entgegen und lacht. Kichert und schöpft Atem und lacht weiter. Sechs Stunden lacht sie, kurze Verschnaufpausen herausgerechnet. Die Performance „Laughing Hole“ bei der Ruhrtriennale – den Titel kann man als „Lach-Loch“ übersetzen – ist absurdes Theater in Wagner-Länge.

Der Boden des Raums in der ehemaligen Waschkaue auf Zeche Zollverein in Essen ist über und über bedeckt mit Kartonschildern, auf die mit großen Strichen Schlagworte auf Englisch und Deutsch geschrieben sind. Die Kernbegriffe sind „Killing“, Töten, und „Laughing“, Lachen, es geht aber auch um Hilfe, Spaß und Impotenz. „Your mum“, deine Mutter, steht da, oder „Romans go home“, eine Zeile wie aus einem Asterix-Comic kopiert. Bei Asterix gibt es übrigens das Haus der Verrückten, gefüllt mit Menschen, die über sinnlosem Tun ihrem persönlichen Wahnsinn verfallen. Auch daran erinnert der Raum im choreografischen Zentrum „Pact Zollverein“.

Er wird sechs Stunden lang vollgeklebt und mit Gelächter erfüllt, das aufgezeichnet und in Klangschleifen gelegt wird. Clive Jenkins, der den Ton steuert, sitzt im Raum, auch sein Stuhl wird bespielt. Die vier Performerinnen, die in Kitteln und Flipflops zunächst wie Putzfrauen beim Aufräumen wirken, halten die Schilder hoch, stürzen hin, spielen damit.

Aus der Anordnung der Schilder ergibt sich eine aleatorische Poetik: Der Zufall oder momentane Einfälle der Performerinnen ergeben eine Art gesellschaftspolitisches Scrabble mit witzigen Schlagworten oder grausigen Mehrzeilern: „For killing/Do not Guantanamo“ steht an der Wand, eine andere Kombination ergibt: „Das ist Guantanamo/Stirb lachend“. Die ständige Geräuschkulisse, der Wechsel der teils absurden Sprüche betäuben, wer länger drinsitzt, wird Teil der Aufführung und lacht irgendwann mit.

Die Künstlerin La Ribot macht eine Poetik des Gelächters. Ihre Performerinnen lachen rauschhaft. Sie turnen an den Wänden entlang, lassen sich akrobatische Posen einfallen. Dabei sieht man ihnen die Anstrengung in den blasser werdenden Gesichtern an, die Knie werden rot vom Fallen. Augen und Mund lösen sich kaum mehr aus der Verzerrung. Wenn die Frauen Atem holen, sieht man ihre Müdigkeit. Damit erfolgt die mehrfache Brechung eines grundlegenden Prinzips der Comedy: dass man immer über das lacht, was anderen wiederfährt.

Einige Zuschauer verstehen die Performance als Spielgelegenheit und kleben selbst Schilder. Man kann in ihr aber auch das Leiden an Kunst erkennen und damit eine Art Suche nach Authentizität. Eine Besucherin fotografiert mit dem Handy ein Schild ab, auf das Blut aus dem aufgeschürften Knie einer Performerin getropft ist.

Die Wechsel zwischen Privat und Politisch sind fließend, so wie die zwischen Tanz, Theater und bildender Kunst. Die spanische Künstlerin Maria Ribot hat das Stück bisher in Museen gezeigt. In dem Raum auf Zollverein rückt es sehr nahe an die Besucher heran. „Guantanamo“ und „Kunst“ sind Schlagworte, der Umgang mit ihnen ein absurdes Spiel.

Quelle: wa.de

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