„Parzival“ von Lukas Bärfuss am Schauspielhaus Bochum

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Ritter unter sich: Szene aus „Parzival“ mit David Schirmer, Adrian Thomser und Michael Lämmermann. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ BOCHUM–Natürlich wirkt das etwas albern, wenn Ritter in Lederjacken als Rüstung über die Bühne hopsen. Und Parzival, der reine Tor, von seiner überbesorgten Mutter Herzeloyde mit Lebensregeln erzogen, die ihn der Welt entfremden sollen, der wirkt erst recht albern, als er loszieht im Kissenbezug. Man merkt der Inszenierung von Martina von Boxberg am Schauspiel Bochum an, dass dies Theater für ein jugendliches Publikum ist. Da wiederum trifft die schnelle, fetzige Fassung einen Nerv.

In Bochum spielen Studenten der Folkwang Universität der Künste die „Parzival“-Fassung des Schweizer Autors Lukas Bärfuss. Sie bringen das mit Hingabe und Energie auf die Bühne. Hochtempo-Theater, das den komplexen Entwicklungsroman nach dem mittelalterlichen Versepos des Wolfram von Eschenbach mit einer stringenten Pubertätsgeschichte unterfüttert. Die Naivität des Parzival offenbart sich nicht nur in der Konfrontation mit den Rittern. Zum Beispiel wenn Parzival es albern findet, wenn Ritter Ritter töten. Das sei ja, wie wenn Hirsche Hirsche töten, meint er. Aber Parzival trifft ja Frauen, lernt bei Liase das Küssen und bei Conduiramur die Liebe.

Da vermittelt sich der Hunger der jungen Darsteller auf das Spiel: Wenn Veronika Bachfischer die Liase als vermeintlich ahnungsloses Trampel auf den hinreißenden Adrian Thomser treffen lässt, der unaufhörlich fragt, was das ist und was dies. Sie finden auch in einen leisen Ernst, zum Beispiel in der Szene mit Elisabeth Wolle als unglücklicher Königin Conduiramour. Roderik Vanderstraeten begleitet das Geschehen als Musiker. Er trommelt auf großen Gasflaschen, lässt Glöckchen bimmeln und die Maultrommel brummen. Und er spielt den roten Ritter mit brummigem Ernst.

Das Geschehen um den zu Tode verwundeten, aber nicht sterben könnenden Anfortas wird ein wenig am Rande abgehandelt, besonders die Gralssuche und die abschließende Erlösung. Aber die Spielfreude der jungen Darsteller macht die anderthalbstündige Produktion für Jugendliche ab 14 auch für ältere Zuschauer zu einem Vergnügen.

1., 13.3., 2.4.,

Tel. 0234/33 33 55 55,

http://www.schauspielhausbochum.de

Quelle: wa.de

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