Paco Knöllers „Künstliche Paradiese“ beim Kunstverein Lippstadt

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Blütenformen bestimmen die Bilder von Paco Knöller, die der Kunstverein Lippstadt zeigt. ▪

Von Andreas Balzer ▪ LIPPSTADT–Es sind tückische Gewächse. Wunderschön, und doch wahre „Blumen des Bösen“. Schlafmohn ist Grundlage für vergleichsweise harmlose Lustbarkeiten wie Mohnkuchen oder Germknödel. Aber an die dachte Paco Knöller wohl kaum, als er seine neue Werkgruppe „Künstliche Paradiese. Schlafmohnalphabet“ nannte. Eher an Opium, Morphin und Heroin. Darauf deutet schon die giftig-leuchtende Farbigkeit hin, die seinen vom Lippstädter Kunstverein präsentierten Arbeiten etwas Halluzinogenes verleiht.

Der 1950 im oberschwäbischen Obermarchtal geborene Maler, der seit 2001 eine Professur an der Hochschule für Künste in Bremen innehat, ist kein Unbekannter in der Kunstszene. So zeigte er seine Arbeiten in der Nationalgalerie in Berlin (1988), der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf (1990) und dem Hamburger Bahnhof in Berlin (2002).

Ein arrivierter Künstler also, doch zugleich einer, der sich immer wieder neu ausprobiert. Bekannt wurde er durch großformatige Papierarbeiten, Ölkreidearbeiten auf Holzträgern und farbige Holzschnitte. Seine neue Werkgruppe ist in Lippstadt zum ersten Mal zu sehen.

Die kleinformatigen Arbeiten entziehen sich der klaren Zuordnung. Handelt es sich überhaupt um Bilder? Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Der Maler bezeichnet die kompakten Arbeiten lieber als „Hölzer“ und verweist damit prosaisch auf die fast klobigen Bildträger, die den Werken Objektcharakter verleihen.

Und auch das, was auf diesem Bildträger geschieht, lässt sich nicht vorschnell in eine Schublade einordnen. Es changiert zwischen Malerei und Zeichnung ebenso wie zwischen Abstraktion und Figuration. Die Vorderseite grundiert Knöller mit unterschiedlich großen Lackflächen. Darauf trägt er in vielen Schichten farbige Ölkreide auf, nicht nur mit dem Kreidestift, sondern er arbeitet die Pigmente mit Fingern und Handballen direkt in die Fläche ein und schafft so eine „irisierende Farbhaut“, wie es Kurator Erich Franz nennt, aus neben- und übereinander liegenden Flächen und vielfältigen Übergängen.

„Technisch betrachtet handelt es sich bei diesen Werken nicht um Malerei, sondern um einen sehr direkten und ungeregelten Umgang mit Farbe“, schreibt Franz im Katalog. Und ungeregelt ist auch das, was sie mit dem Betrachter anstellen. Die Farben beißen sich regelrecht ins Auge, wenn zum Beispiel ein giftiges Violett auf ein dunkel pulsierendes Rot trifft.

In diese Oberfläche ritzt Paco Knöller Linien, die den Lack wieder zum Vorschein kommen lassen. Auf diese Weise entstehen die Mohnkapseln, die der Serie ihren Namen gegeben hat. Mit nur wenigen Strichen angedeutete Gebilde, abstrakt und gegenständlich zugleich. „Sie strahlen mit ihrem farbigen Reichtum und ihrer lebhaften Einheit wie Edelsteine in den Raum“, schreibt Erich Franz über Paco Knöllers „Bilder“. „Man ‚fühlt‘ die Farben sofort, während man Linien und Flächen erst nachvollziehen muss, um zu ‚verstehen‘, was sie darstellen.“

Bis 20.3., di – fr 16 – 19, mi bis 21, sa, so 11 – 13 Uhr, Tel. 02941 / 7 87 13,

http://www.kunstverein-lippstadt.de

Katalog, Richter Verlag, Düsseldorf, 18 Euro

Quelle: wa.de

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