Das Ostwall Museum im Dortmunder U zeigt Heinz Mack

+
Altmeister der Lichtkunst: Heinz Mack in Dortmund.

Von Marion Gay ▪ DORTMUND–Geheimnisvoll schimmert das Türkis. Die schlichte Form erinnert an eine Glasscherbe, die lange im Meer gelegen hat. Das farbintensive Keramik-Objekt von 1997 gehört zur Ausstellung „Zwischen den Zeiten“ – einer faszinierenden Retrospektive auf Heinz Mack im Ostwall Museum im Dortmunder U. Der Künstler erhält für sein Lebenswerk den Preis für Bildende Kunst der Kulturstiftung Dortmund (25 000 Euro). Zu sehen ist eine Auswahl von rund 60 Werken – Gemälden, Fotos und Skulpturen aus den 50er Jahren bis zur Gegenwart.

Der im hessischen Lollar geborene Mack hatte 2011 zu seinem 80. Geburtstag Ausstellungen in der Bundeskunsthalle in Bonn und in der Stiftung Museum Kunstpalast Düsseldorf. Dennoch bietet die aktuelle Schau Überraschungen. Die meisten Werke werden erstmalig gezeigt.

Beeindruckend das monumentale Gemälde „Garten Eden“ (2011). Die leuchtenden Farbstrukturen zeigen die Leidenschaft des Künstlers für die Malerei, der er 1963 eigentlich abgeschworen hatte. Damals herrschte große Verunsicherung in der Malerei. Künstler zeigten Keilrahmen statt Bilder, andere zerfetzten ihre Leinwände, und Mack wandte sich der Skulptur und den Lichtobjekten zu. Es entstanden die meterhohen Stelen „Wald des Lichtes“, die der Künstler erstmalig 1964 in New York ausstellte. Die filigranen, verspiegelten Objekte huldigten Manhattan als Ort des Lichtes. Erst 1991 fand Mack zur Malerei zurück, seine neuesten Leinwandarbeiten zeigen Gitterstrukturen in intensiven Primärfarben.

Mack, der 1957 mit Otto Piene die Künstlergruppe Zero gegründet hatte, der sich später Günther Uecker anschloss, spielte mit den Möglichkeiten der Technik. So ließ er abstrakte Strukturen, die immer wieder in seinem Werk auftauchen, mithilfe von Rotoren im Sekundentakt verändern. Anfang der 60er Jahre benutzte Mack als einer der ersten Künstler das Material Plexiglas. Eine Arbeit aus dieser Zeit besteht aus hintereinander gestaffelten Scheiben, angeordnet in einem Kasten. Je nach Lichteinfall und Blickwinkel verändert sich das Objekt. Seine Technikbegeisterung trug ihm Kritik ein. Das wandgroße Relief „Der Garten Eden“ von 1966 (1976 restauriert) zeigt pflanzenartige Strukturen aus Aluminiumwaben, die aus der Flugzeugindustrie stammen. Die Arbeit hing ursprünglich im Düsseldorfer Schauspielhaus, bis sie jemand aus Technikhass zerstörte.

Sehr ästhetisch sind auch die Lichtarbeiten. Etwa „Electrical sun“ (2010), das wie ein Prisma mit Farben spielt. Mack geht es darum, Licht erfahrbar zu machen. Er nennt seine Technikfaszination „humanistisch“, da er sie, wie in der Gruppe Zero als Konzept angelegt, dafür einsetzt, das urbane Umfeld des Menschen zu verschönern. Sein Ideal ist eine Verschmelzung von Natur und Gesellschaft, von Technik und Kunst. So zielen seine Architektur-Utopien darauf ab, graue Nachkriegsbebauung durch lebendige Raumstrukturen zu ersetzen. Die aus farbigem Glas zusammengesetzten Kuben von 2004 schimmern wie Kirchenfenster, wie Schatzkästchen, in die man sofort einziehen möchte.

Eröffnung 6. Mai, 15 Uhr

Bis 29.7., di – so 11 – 18, do, fr 11 – 20 Uhr,

Tel. 0231/ 5024723; www. museumostwall .dortmund.de

Katalog 25 Euro

Parallel gibt es eine kleine Ausstellung mit Werken der Förderpreisträgerin Roseline Rannoch

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare