Das Osthaus Museum in Hagen richtet ein „Zimmer für Alfred Flechtheim“ ein

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Der Galerist, gespiegelt in seinen Bildern: Lenz Geerks „Flechtheim I“ ist in Hagen zu sehen.

Von Ralf Stiftel -  HAGEN - Alfred Flechtheim (1878–1937) bewegt bis heute die Kunstwelt. Der in Münster geborene Galerist war einer der wichtigsten Förderer der Moderne, er sammelte und handelte van Gogh, Picasso, Manet, Monet, Liebermann und viele andere. Als Jude wurde er vom NS-Staat verfolgt, seine Galerie wurde abgewickelt, seine Bilder verschleudert. Verarmt starb er in London. Heute fordern seine Erben Bilder von Museen auch in NRW zurück.

Dem Galeristen widmet das Osthaus Museum Hagen eine besondere Ausstellung. Es geht nicht um Werke der klassischen Moderne. Die Galeristin Claudia Cosma hat 17 Künstler angesprochen, sich mit Flechtheim zu befassen und Kunstwerke zu schaffen, die sich mit ihm auseinandersetzen. Das Ergebnis ist das „Zimmer für Alfred Flechtheim“, eine Kabinettsausstellung mit 35 Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen. Zu sehen sind u.a. Arbeiten von Leiko Ikemura, Jonathan Meese und dem Schriftsteller Feridun Zaimoglu.

Die Schau fällt ausgesprochen disparat aus. Lenz Geerk malte ein Galeriebild, das an barocke Kunstkammer-Darstellungen erinnert. Wir blicken in Flechtheims Schatzkammer – und auf den Leinwänden erblickt man das Antlitz des Galeristen, der sich gerne porträtieren ließ. Jörg Herold zeigt in einer digital bearbeiteten Fotografie die „Nase“, die Flechtheims Gesicht prägte, und verweist damit einerseits auf die Stigmatisierung des Juden, andererseits auf die Spürnase des Kunstentdeckers.

Oliver Czarnetta steuert Skulpturen bei. „Le Tourpeur“ besteht aus Sektgläsern, die in eine Betonplatte eingegossen wurde, die das Ornament des „Hauses der Deutschen Kunst“ in München aufgreift. Ein starkes Bild für das Zwangsende der Kunstfeiern durch die Nazis. Und Carsten Tabel montiert im Video „Could Have Done This“ Internet-Videos mit Beschimpfungen moderner Kunst – der Ungeist lebt fort.

Andere Arbeiten aber sprechen weniger von Flechtheim als von der Befindlichkeit ihrer Macher, zum Beispiel Thomas Palmes große Zeichnung einer Vagina oder Jonny Stars stoffgerahmtes Foto nackt posierender Männer.

16.1.–15.3., di – so 11 – 18 Uhr, Tel. 02331/ 207 3138,

www.osthausmuseum.de

Quelle: wa.de

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