Ostasiatische Kunst in Köln: „Der Glanz der Kaiser von China“ – Ausstellung

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Der Herrscher privat: Porträt von Kaiser Hongli in Han-chinesischem Gewand (anonym, 18. Jh.). ▪

Von Ralf Stiftel ▪ KÖLN–Es ist eine Geste des Respekts. Der junge Mann reicht dem älteren einen blühenden Aprikosenzweig. Ein Symbol des Frühlings, des neuen Wachstums, der harmonischen Zukunft. Hier teilt Prinz Bao, der spätere Kaiser Qianlong, seinem Vater durch die Blume mit, dass dereinst er die Herrschaft antreten wird. Das Bild, um 1736 auf Seide gemalt, ist ganz auf die konfuzianische Philosophie gestimmt. Der spätere Kaiser mochte es sehr. Eigentlich war es an die Wand geklebt, aber Qianlong ließ es ablösen und schrieb eigenhändig ein Kompliment an den Künstler darauf.

Zu sehen ist das Werk im Museum für Ostasiatische Kunst in Köln in der sensationellen Ausstellung „Der Glanz der Kaiser von China“. Die Rhein-Metropole feiert damit ihre Städtepartnerschaft mit Beijing, die seit 25 Jahren besteht. 90 Leihgaben kommen aus dem Palastmuseum der Verbotenen Stadt nach Europa. Erinnert wird nicht nur an eine Blütezeit des Kaiserreichs. Im Jahr 1644 hatte das Reitervolk der Mandschu die Herrschaft der Ming-Dynastie beendet. Anders als ihre Vorgänger zeigten sich Shunzhi, Kangxi und ihre Nachfolger als umsichtige Herrscher.

Unter der Qing-Dynastie erreichte China seine größte territoriale Ausbreitung. Der Hof hatte bei den Mandschu einen Anstrich von Multikulturalität. Die Kaiser waren gläubige Buddhisten, ließen aber auch den Daoismus und den Schamanismus zu, folgten der konfuzianischen Weisheitslehre, förderten die Wissenschaften. Das führte zu erstaunlichen internationalen Kontakten. So gab es am Hof eine Niederlassung der Jesuiten, die natürlich auf Missionserfolge hofften. Der erste von ihnen, Adam Schall von Bell (1592–1666), kam aus Köln. Christen wurden die Kaiser nicht, aber sie nutzten die Errungenschaften europäischer Wissenschaften und Künste. So reformierten die Jesuiten die veralteten Kalender bei Hofe, die so wichtig für die korrekte Ausführung der religiösen Zeremonien waren. Und so malte ein Jesuit das eingangs beschriebene Bild, Giuseppe Castiglione (1688– 1766), den die Chinesen Lang Shining nannten und dem höchste Ehren zuteil wurden. Den Asiaten war die realistische, perspektivische Malerei unbekannt. Die Kaiser schätzten die Möglichkeit, dem Betrachter eines Bildes das Gefühl zu vermitteln, dem Herrscher persönlich gegenüber zu stehen. Aber die Maler mussten neue Techniken entwickeln, denn auf das Gesicht des Kaisers durfte kein Schatten gemalt werden. Die Pinselführung der Europäer galt als unbeholfen neben den chinesischen Virtuosen, die in einem Strich große Gefühle ausdrücken konnten. In den Werkstätten der Verbotenen Stadt, jenes Palastbezirks, den die Qing-Herrscher übernommen hatten, traten die Künstler nicht in Konkurrenz, sondern vereinten ihre Stärken. Auf dem mehr als vier Meter hohen, dreieinhalb Meter breiten Wandbild einer Jagdgesellschaft führte Castiglione die Figuren aus, die stimmungsvolle Landschaft und die Bäume schuf Fang Cong.

Schon die grandiosen Gemälde lohnen eine Reise nach Köln. Die würdevollen, strengen Porträts, auf denen Kangxi und der junge Qianlong in Lebensgröße thronen. Detailreich ausgeführte Szenen höfischer Rituale und Zeremonien wie „Zehntausend Staaten zollen dem Kaiser Tribut“ und der fantastische Zyklus „Kaiser Yongzheng bei Vergnügungen in den zwölf Lunarmonden“ (nach 1725), wo die Herrscherfamilie isst, musiziert, spielt, Kinder Seifenblasen pusten, der Kaiser ein Gedicht schreibt. Auf dem Winterbild bauen die Kinder einen Schneelöwen.

Aber das ebenso pracht- wie kunstvolle Leben bei Hofe wird auch in Objekten sichtbar, vor allem einem Thronensemble mit Stellschirm und Räuchergefäßen, zwei davon hoch realistische Kranichfiguren. Der Monarch präsentierte sich hinter einem Nebel, so nah und doch so fern. Ein Thronsessel ist aus Hirschgeweihen gefertigt und verweist auf die Jagdlust der Qing-Herrscher. Aufwendig gestaltete Staatsroben sind zu sehen, Prunkwaffen, darunter drei Pfeile, die beschriftet sind, weil Kaiser Xianfeng mit ihnen erfolgreich Hirsche jagte. Die Herrscher waren aber auch Poeten und Philosophen. Sie ließen sich in religiösen Bildern als Bodhisattva malen. Und sie übten sich in der Kunst der Kalligraphie: Von Kangxi und von Qianlong sind Abschriften des Herz-Sutras zu sehen. Als meditative Übung schrieb Kangxi diesen Lehrtext alle zwei bis drei Wochen ab.

Zu sehen sind auch prunkvolle religiöse Skulpturen von Buddhas und Gottheiten, wissenschaftliche Geräte, ein großes Glockenspiel. Und ein mannshoher Stupa, eine Art Schrein, zeugt von der Meisterschaft der Hofwerkstätten mit filigranen Figurenreliefs und einem üppigen Schmuck aus Edelsteinen. Eine einzigartige Schau, nicht nur wegen der kostbaren Objekte, sondern auch durch die Konzentration auf ein Thema, die Blütezeit einer Dynastie.

Die Schau

Eine sensationelle Schau, großzügig bestückt aus dem Palastmuseum in Beijing: Glanz der Kaiser von China im Museum für Ostasiatische Kunst in Köln. Bis 20.1., di – so 11 – 17, jeden ersten Do im Monat bis 22 Uhr. Tel. 0221/ 22128 608, http://www.museenkoeln.de/mok , Katalog, Kehrer Verlag, Heidelberg, 34,90 Euro

Quelle: wa.de

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