Oskar Kurt Döbrich auf Haus Opherdicke

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Nüchterne Alltagsblicke: Oskar Kurt Döbrichs Bild „Mietshäuser“ (1928) ist in Opherdicke zu sehen.

Von Marion Gay -  HOLZWICKEDE Die Jacke ist kariert, das Hemd auch und sogar das Gesicht. Das Haar streng gescheitelt. Im Bild „Mann mit karierter Jacke“ (1928) wird der Gemalte selbst zum Muster, zum Symbol des Kleinkarierten. Es gehört zur retrospektiven Ausstellung „Das Leben als große Wanderung“ im Museum Haus Opherdicke mit rund 120 Zeichnungen, Aquarellen, Ölbildern und Druckgrafiken des Münsteraner Künstlers Oskar Kurt Döbrich (1911–1970).

Die Werke sind hauptsächlich Leihgaben von Döbrichs Tochter Dagmar Köhler, vier Arbeiten stammen aus der Sammlung Brabant.

Haus Opherdicke hat es sich zur Aufgabe gemacht, Künstler der sogenannten vergessenen Generation zu präsentieren, deren künstlerisches Schaffen durch die Kriegsjahre unterbrochen bzw. ausgelöscht wurde.

Döbrichs Werk, das 2011 anlässlich seines 100. Geburtstags im Stadtmuseum Münster zu sehen war, ist eher unspektakulär und lässt sich keiner Stilrichtung zuordnen. Von naturalistischen Stillleben und Landschaften über Karikaturen wie etwa von Adolf Hitler in bayrischer Lederhosen-Tracht (1934) und expressionistischen Porträts bis hin zu abstrakten Kompositionen und plakativen Drucken ist alles vorhanden. Die sowohl technische als auch thematische Vielseitigkeit und der Verzicht auf ein klares künstlerisches Sujet sind sicher der Arbeit im Schuldienst geschuldet, Döbrich arbeitete seit den frühen 50er Jahren bis zu seinem Tod als Kunsterzieher an einem Gymnasium in Münster, nachdem er die Kriegsjahre als Soldat in Polen und Russland verbracht hatte und 1945 verwundet aus der Gefangenschaft zurückgekehrt war.

Zunächst hatte er von 1933 bis 1937 an der Staatlichen Kunstakademie in Berlin studiert und sich dort mit Otto Pankok und Conrad Felixmüller angefreundet, mit denen er fortan in künstlerischem Austausch stand. Ein Großteil der ausgestellten Werke stammt aus jener Zeit. Es sind vor allem typische Akademiearbeiten wie die Aktstudien und Porträts in Kreide, beispielsweise die „Frau mit schwarzen Haaren“ (1935), die streng im Profil zu sehen ist. Ausdrucksstark dagegen das „Kind mit blauer Mütze“ (1935). Mit seinen hervorquellenden Augen und dem übergroßen Kopf wirkt es grotesk, fast gespenstisch. Außerdem entstanden farbintensive Aquarelle wie das „Herrenhaus“ (1934) mit seiner roten Mauer und dem dschungelhaften Garten.

Bereits vor dem Studium hatte Döbrich Stadtansichten gemalt, etwa das kräftig orange-gelbe Stadttor von „Tecklenburg“ (1929) oder das streng grafische, schwarz-weiße Bild „Dolow Platz“ (1931), sowie mit druckgrafischen Techniken wie dem Linolschnitt experimentiert („Hafenarbeiter“, 1929).

Die jüngsten Arbeiten sind die beiden kleinformatigen Federzeichnungen, die während eines Bretagne-Aufenthaltes in 1970 entstanden, unauffällige, zart-melancholische Momentaufnahmen von Steinen und Gewächsen am Meer, mit dünnen Linien skizziert.

Eröffnung Sonntag, 8. März, 11.30 Uhr;

Bis 28.6., di – so 10.30 – 17.30 Uhr, Tel. 02301/ 918 3972

www.kulturkreis-unna.de

Katalog 24 Euro

Quelle: wa.de

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