Gaskammer, Hakenkreuze, Blut

Nazi-"Tannhäuser" sorgt für Opern-Skandal

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Der "Tannhäuser" als Metapher für die Monstrosität der Nazi-Verbrechen

Düsseldorf - „Tannhäuser“ als Nazi-Verbrecher, eine Gaskammer zur berühmten Ouvertüre und brutales Morden auf der Bühne - eine Wagner-Inszenierung löst bei der Premiere in Düsseldorf Empörung aus.

Nach nur 30 Minuten gellten am Samstag empörte Buhrufe aus dem Publikum, verärgerte Zuschauer verließen ihre Plätze, einige knallten die Türen. Während der berühmten „Tannhäuser“-Ouvertüre sinken nackte Darsteller in einem Kreuz aus gläsernen Würfeln, die sich mit Nebel füllen, zu Boden. Der Venusberg, bei Wagner Ort der hedonistischen Liebe, wird zum Schauplatz einer brutalen Erschießungsszene. Venus in Nazi-Uniform und ihre SS-Schergen ermorden eine Familie und zwingen Tannhäuser dazu, ebenfalls zu töten.

Regisseur Burkhard C. Kosminski, der Intendant des Mannheimer Schauspiels, hatte für seine erste Operninszenierung die sagenhafte Handlung um Tannhäuser im Venusberg und den Sängerkrieg auf der Wartburg in der Zeit des Nazi-Regimes und der Entstehung der Bundesrepublik angesiedelt. Dafür erntete er, kaum hatte er die Bühne betreten, wütende Buhrufe. „Beleidigung“ und „Alptraum“ waren nur einige Reaktionen. Sogar bei der anschließenden Premierenfeier wurde Kosminski noch Zielscheibe der Wut einiger Zuschauer, so dass Opernintendant Christoph Meyer die Gäste zur Ordnung rief.

Im Jubiläumsjahr des 200. Geburtstags Wagners mag es nahe liegen, den Antisemitismus des Komponisten und seinen Einfluss auf die Nazi-Ideologie zu thematisieren. Kosminski aber hat Wagners romantischer Oper, die sich um den Konflikt zwischen exzesshafter und keuscher Liebe dreht, das NS-Motiv übergestülpt, um daran das Thema von Schuld und Sühne abzuarbeiten. Ihn bewege die Frage, wie man mit Tätern und Opfern umgehe und aus einer Welt des Schreckens heraus eine neue Ordnung konstituiere, sagte er.

Doch Tannhäusers Aufenthalt im Venusberg als Hort der sündenhaften Liebe eignet sich nicht als Metapher für die Monstrosität der Nazi-Verbrechen. Vielmehr droht die plakative Darstellung dort zu relativieren, wo nichts relativiert werden sollte. Dass in der Düsseldorfer Inszenierung Ströme von Theaterblut fließen, vergewaltigt wird und die Tannhäuser verfallene Elisabeth sich am Schluss auf der Bühne anzündet, macht es noch schlimmer.

Am Ende schenkt das blutüberströmte Kind der von den Nazis erschossenen Eltern dem Verbrecher Tannhäuser einen blühenden Zweig - als Symbol der Vergebung, die es nicht gibt. Die „Holzhammer“-Methode Kosminskis und seines Bühnenbildners Florian Etti dürfte angesichts der Millionen Toten der Nazi-Gewaltherrschaft von vielen als Beleidigung der Opfer angesehen werden.

Die Inszenierung habe schon während der Probenzeit heftige Diskussionen ausgelöst, erzählen Beteiligte. Tannhäuser werde zu einem „Albtraum deutscher Geschichte“, heißt es im Begleitheft. „Was hat das mit Tannhäuser zu tun?“, fragt ein erboster Herr, bevor er das Parkett fluchtartig verlässt.

Angesichts der Dominanz des Schauspielerischen rückte die beachtliche Gesangsleistung des schwedischen Tenors Daniel Frank, der zehn Jahre Rocksänger war, in den Hintergrund. Ansonsten setzte die Inszenierung auf Wagner-erfahrene Sänger: Markus Eiche als leidenschaftlich-tragischer Wolfram von Eschenbach, Elena Zhidkova als unterkühlte Venus, Elisabet Strid als mädchenhaft-schwärmende Elisabeth, Thorsten Grümbel als Landgraf. Sänger und Chefdirigent Axel Kober, der im Sommer die „Tannhäuser“-Inszenierung von Sebastian Baumgarten auf dem „Grünen Hügel“ in Bayreuth dirigieren wird, bekam langen Applaus.

dpa

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