An der Oper Dortmund ist Donizettis „Elisir d’amore“ zu sehen

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Darf er’s wagen: Lucian Krasznec schmachtet als Nemorino Julia Amos’ Adina an in der Inszenierung von Gaetano Donizettis „Liebestrank“ an der Oper Dortmund.

Dortmund -  Und es blitzen die Sterne: Unter bunten Lichtern erhört Adina, die Bäuerin, den Träumer Nemorino. Donizettis Opernschlager „L’elisir d’amore“, der „Liebestrank“, ist an der Oper Dortmund zu sehen.

Von Edda Breski

Dort wollte der Regisseur Christian Tschirner laut Programmheft den „Liebestrank“ vom „Kopf auf die ökonomischen Füße“ stellen. Daraus ist nichts geworden.

Der Dortmunder „Liebestrank“ ist eine konventionelle Romantik-Komödie vom malerischen Auftritt der Adina aus einem Bauwagen bis zu Flimmersternen und Lichterkette, die dem zweiten Akt Jahrmarkglanz verleihen. Die Holzpalettenwelt (Bühne: Aljoscha Begrich), in der die Dorfbewohner aus Felice Romanis Libretto wohnen, erinnert an ein Hollywood-Italien, da fehlt nur das blaue Meer im Hintergrund. Abgerissene Plakate, der Bauwagen mit weißen Gardinen, die Hochzeitstafel mit weißer Plastikdecke – das spricht alles eher für südliche Beschaulichkeit, für Arbeiterromantik statt Eurokrise. Etwas deftig darf es auch sein, Dulcamara schwenkt im Duett mit Adina eine Riesenpuppe mit blauem Stoffpenis. Bei der Hochzeitsfeier spielen ein Schlagzeuger und ein Trompeter auf der Bühne mit. Auch Dirigent Motonori Kobayashi darf ein wenig den Zuschauerraum bespielen.

Erst nach dem Liebesduett bricht ein wenig Realität ein, als der Ehrentisch zur Arbeitsfläche einer Blumenfabrik wird. Auf den Fahnen, die die Menge für das Paar schwenkt, steht „Dulcamara“ und „Freiheit“. Aber der Doktor ist kein Arbeiterführer, sondern eine komische Gestalt aus dem Buche. Christian Sist zwängt sich aus einem viel zu kleinen Kabinenroller und bringt mit Schwung seine angeblichen Wundertränke unters Volk.

Nur: Gar so beschaulich ist die Geschichte, die Donizetti und Romani erzählen, nun nicht. Nemorino ist ein wahrer Romantiker, er täuscht sich über das Leben selbst hinweg. Und das wirklich nur wegen einiger Schluck zuviel aus dem Rotweinglas?

In Dortmund schaut Adina (Julia Amos), die schon im Brautkleid steckt, um den trampeligen Sergeanten Belcore zu heiraten, auf einen Trauerkranz, findet so heraus, was Nemorino noch nicht weiß – dass sein Onkel starb und ihm ein Vermögen hinterließ – und entscheidet sich erst dann für ihn, während die anderen Frauen sich noch mit Pappschildern anpreisen: blond und willig.

Der Lover Nemorino ist in Dortmund vor allem ein liebenswerter Depp. Lucian Krasznec schüttelt seine schwarzen Locken und springt vor Freude in die Luft, als er die Wirkung des Liebestranks zu spüren glaubt. Wie er dem Wehen von Adinas rosenfarbenem Rock nachschmachtet, ist mehr Parodie denn Gefühl. Krasznec ist ein Tenorbuffo, er falsettiert, kiekst und gibt seinem Nemorino sogar etwas von der Theatralik, mit der er derzeit in der Monteverdi-Poppaea in Dortmund die Amme darstellt. Das Lyrische aber geht ihm ab, da klingt er bestenfalls angestrengt. Ausgerechnet in der berühmten Romanze „Una furtiva lagrima“ kämpft er mit seinen Reserven. Die Partie teilt er sich mit John Zuckerman.

Julia Amos’ Adina (einen Teil der Aufführungen wird Anke Briegel übernehmen) ist dagegen eher lyrisch, in der Szene mit Dulcamara weitet sie die Melodiebögen. Eine Komödiantin ist Amos aber nicht. Als Belcore klingt Gerardo Garciacano vor allem klotzig.

Christian Sists Szenen als Doktor Dulcamara sind Höhepunkte. Sein Doktor flirtet so schamlos mit sich selbst, dass er schon wieder sympathisch wird. Im Parlando schießt Sist Silben ab wie Feuerwerk, seine Gesangslinien bleiben aber nobel, so dass seine Rolle nicht ganz in die Parodie rutscht. Die beste Leistung.

Im Orchestergraben arbeitet Kobayashi an einem spritzigen Sound, der gerne transparenter klingen dürfte. Quirlig wirken die Ensembleszenen mit dem sehr präsenten Dortmunder Opernchor (Einstudierung: Granville Walker).

Elisir d’amore an der Oper Dortmund.

12., 28.4., 3., 18.5., 21., 29.6., 12.7.; Tel. 0231/50 27 222;

www.theaterdo.de

Quelle: wa.de

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