The Offspring spielen in Köln ganz viele Hits

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Die Locken sind ab, die Züge runder, die Energie ist geblieben: Dexter Holland von The Offspring in Köln.

Von Tim Griese ▪ KÖLN–Mitte der 90er Jahre gab es wohl keinen Skateboard-fahrenden Jugendlichen, der The Offspring nicht kannte, die Band um den Rastazopf-schwingenden Frontmann Dexter Holland und seinem Kollegen Kevin Wasserman, genannt Noodles, den hornbebrillten Gitarristen.

Genauso wenig wird es keine Halbstarken-Fete gegeben haben, bei der nicht einmal der Refrain von „Self Esteem“ mitgegrölt wurde. Mit ihrem damals dritten Album war das der Beginn einer steilen Karriere. Rund 40 Millionen Platten haben die Kalifornier verkauft, in Deutschland ist es um das Quartett nach dem Hitalbum „Smash“ indes ruhig geworden. Bei ihrer Tour stoppen sie auch im Kölner Palladium. Es ist der einzige Gig in Deutschland und für Fans eine gute Gelegenheit zu überprüfen, was aus den Idolen ihrer Vergangenheit geworden ist.

Dexter Holland hat an Gewicht zugelegt. Noodles wirkt wie die ergraute Version des Garth Algar aus Wayne's World; das zu den optischen Auffälligkeiten. Musikalisch geben The Offspring alles. Vor allem Noodles hält es nur selten an seiner Position. Er tigert ruhelos über die recht kleine Bühne, als wolle er aus einem Käfig ausbrechen, benutzt einen Monitor als Podest und geht Solo-spielend in die Knie. Holland hält sich ebenso wie Bassist Greg Kriesel und Schlagzeuger Pete Parada zurück und gibt sich wortkarg. Ein kurzes Hallo, hin und wieder ein ebenso kurzes Danke, das muss reichen. Noodles ist da schon gesprächiger. „Cologne ist ausgezeichnet“, ruft er auf Deutsch. Die Masse dankt es ihm johlend.

Rund 70 Minuten geben The Offspring im ausverkauften Haus. Sie legen los wie die Feuerwehr und reihen die Songs, darunter quasi jeden Hit ihrer Karriere, nur so aneinander, spielen aber auch ein neues Stück vom kommenden, noch unbetitelten Album. Schon bei „Come Out and Play“ mit seinem orientalisch angehauchten Bassspiel aus Smash-Zeiten steht die Halle Kopf.

Erst nach etwa der Hälfte des Auftritts gibt die Band den Zuhörern Zeit, durchzupusten. Bei „Kristy, Are You Doing okay?“ nimmt Holland die Akustikgitarre zur Hand und singt mit ernster Miene von einem missbrauchten Mädchen. Unterstützt wird er vom Chor vor der Bühne. Der hat auch sonst seine Hausaufgaben gemacht, die Songtexte sind in Fleisch und Blut übergegangen. Etwa beim anschließenden „Why Don't You Get a Job“ oder dem spaßigen „Pretty Guy (for a White Guy). Gar nicht zu singen braucht Holland bei „Self Esteem“, dem wohl größten Hit der Band und dem krönenden Abschluss. Das übernimmt das Publikum.

Den Musikern gefällt das. Holland kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Ihr seid das Publikum mit dem größten Sex-Appeal auf der ganzen Tour“, ruft Noodles. das wiederum gefällt dem Publikum. Wenn sich Männer in den Dreißigern bierselig in den Armen liegen und aus vollen Kehlen mitsingen, sagt das alles.

Quelle: wa.de

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