„Observe“: Straßenfotografie in der Städtischen Galerie Iserlohn

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Am Strand belauscht: Das Foto des Brasilianers Marcelo Argolo ist in der Städtischen Iserlohn zu sehen. Galerie

Von Ralf Stiftel ISERLOHN - Batman kümmert sich nicht um die Jugendlichen, die auf der Düne das Strandleben genießen. Batman steht abseits mit seinem Mobiltelefon. Superhelden kennen nur den Ernst des Lebens. Der brasilianische Fotograf Marcelo Argolo hat das Bild aufgenommen. Zu sehen ist es in der Ausstellung „Observe“ in der Städtischen Galerie Iserlohn.

Hier sind meistens Ausstellungen namhafter internationaler Fotografen zu sehen. Die aktuelle Schau freilich präsentiert erstmals zusammen eine Gruppe von Laien. Das „Observe Collective“ hat sich 2012 zusammengeschlossen. Damals hatte der Londoner Verlag Thames And Hudson ein Buchprojekt mit Straßenfotografie gestartet, bei dem bekannte Fotografen im Internet ein Jahr lang Aufgaben stellten, die jeder bearbeiten konnte. Das daraus entstandene Buch war ein Hit. Und über das Internet schlossen sich auch 13 Fotografen aus den USA, Brasilien, Russland, der Türkei zusammen. Der einzige Deutsche bei Observe ist Michael May aus Iserlohn. Bei der Eröffnung sind sich die Mitglieder der Gruppe erstmals persönlich begegnet.

Rund 100 Aufnahmen zeigen, dass der Geist von Henry Cartier-Bresson lebt. Auch seine aktuellen Nachfahren suchen den entscheidenden Moment in spontanen Fotografien draußen im wirklichen Leben, ungestellt und unerkannt. Die wunderbaren Schnappschüsse aus aller Welt erzählen ihre Geschichten auch ohne Beschriftung. In Iserlohn hat Galerie-Chef Rainer Danne die Bilder thematisch gehängt, so dass sich aussagekräftige Motivgruppen ergeben.

Viele Bilder haben Pointen wie das von Batman, das neben der Aufnahme eines Spider-Man hängt, der sich neben einem Schirmmützenträger auf der Absperrung eines Parkplatzes ausruht. Wenn Larry Hallegua in Chengdu nicht nur drei Polizisten erwischt, die in einer Reihe einen Platz überqueren, sondern auch noch den kleinen Hund, der sich ihnen anschließt, dann ist das so ein magischer Moment, von dem Cartier-Bresson spricht.

Einige dieser Bilder haben einfach nur die pure Vitalität fröhlicher Momente. Larry Cohen aus Baltimore, USA, nahm in einem ziemlich tristen Straßenzug eine Hochzeitsgesellschaft auf, die Tücher schwenkend offenbar dem Festlokal zustrebt. Auf einer Bank sitzt eine Afro-Amerikanerin, vor sich einen Rollator, die begeistert die Arme in die Luft wirft. Ein anderes Bild Cohens zeigt einen älteren Mann in buntem Minirock, mit rosa Stirnband und großer Handtasche, tief in einen gewagten Tanzschritt gebeugt. Im Hintergrund Rauch, andere Tanzende. Ein Bild wie Rock ‘n‘ Roll. Mit ähnlicher Wucht hat Marcelo Argolo Straßenakrobaten aufgenommen, ganz nahsichtig, so dass die Frau, die ihren Handstand auf die Knie des Mannes stützt, aus dem Bild zu springen scheint. Manchmal ist es eine Frage der Perspektive: Larry Hallegua nahm in London zwei wartende Piloten auf, die ihre Mützen auf die Griffe ihrer Rollkoffer gehängt hatten. Ihre Köpfe verschwinden dahinter, so dass die Männer seltsam außerirdisch erscheinen, wie sie da an ihren Handys fingern. Und in St. Petersburg hat Ilja Shtutsa eine Frau aufgenommen, die mit ihrem wehenden Kopftuch eine Gruppe von Polizisten zu verhüllen scheint. Manchmal versteckt sich die Pointe im Hintergrund wie bei dem Camper, der sich auf Jason Reeds Foto zu einer Steckdose bückt und dabei deutlich zu viel von seinem Hinterteil entblößt.

Einige der ausgestellten Bilder erinnern an Klassiker. Der türkische Fotograf Oguz Ozkan lichtete eine Gruppe kopftuchtragender Frauen ab, die sich im Schnee vergnügen. Diese berührende Choreografie der Lebensfreude ist offensichtlich inspiriert von den magischen Winterfotos junger Priester, die der Italiener Mario Giacomelli in den 1960er Jahren aufnahm. Aber Ozkan zeigt auch, wie sich Straßenfotografie politisch schärfen kann mit dramatischen Schwarz-Weiß-Bildern von den Protesten im Gezi-Park 2013.

Bis 26.7., mi – fr 15 – 19, sa 11 – 15, so 11 – 17 Uhr,

Tel. 02371/217 1940,

www.galerie-iserlohn.de

Quelle: wa.de

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