Oberhausen zeigt das Ruhrgebiet in der Kunst

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„Hochsitz, Patina auf Verkehrsschild“ von Klaus Dauven, zu sehen in Oberhausen.

Von Achim Lettmann OBERHAUSEN - Vom „Schwarzen Revier“ erzählen nur noch historische Reportagen. Heute ist das Ruhrgebiet grüner denn je, und eine Ausstellung in Oberhausen feiert diesen Wandel. „Green City“ ist der frische wie programmatische Titel der Präsentation. 64 Künstler stellen in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen aus: „Geformte Landschaft – Vernetzte Natur. Das Ruhrgebiet in der Kunst.“ Eröffnet wird am Samstag um 19 Uhr.

Maßgebendes Motiv fürs Stadtbild ist allerdings nicht der begrünte Citykern, sondern die markanten Verkehrswege. Autobahnen, Kanäle, Bahngleise und Straßen haben der Wirtschaft gedient, erst an zweiter Stelle kamen der Mensch und der Wohnwert. Dieses charakteristischen Missstands haben sich Künstler angenommen. Werner Graeff schuf drei „Skizzen zur farbigen Gestalt des Ruhrlands“ 1952. Brav sieht das aus, wie der ehemalige Bauhausschüler grauen Industrieanlagen eine gelbe Kuppel und ein rotes Tor spendierte. Heute sind solche Farbtupfer keine Seltenheit. Die historische Analyse, wann der Ballungsraum von Künstlern als lebenswert gesehen wurde, findet allerdings nicht statt. Gibt es einen Wertewandel in der Revierkunst?

In Oberhausen wirkt manches zusammengeschoben. Matthias Kochs brillante Fotografie erhebt die Überreste der „Gutehoffnungshütte Oberhausen“ (2009) mit Birke, Strauch und Geröll in den Stand eines klassischen Landschaftsfotos. Unter dem Ordnungsbegriff „Wasser“ ist an ganz anderer Stelle mit „Phoenix-Ost Dortmund-Hörde“ – aus der gleichen Serie – eine Industriefläche zu sehen, die zum See werden soll. Die Zeitenwende ist hier greifbar. Dazu kommt Dominik Asbach, der in seiner Foto-Serie „System Landschaft“ (2000) die kanalisierte und grau schimmernde Emscher sortiert. Zeitgenössische Fotokonzepte nehmen sich der Wasserwege an. Dazu ist irisierendes Blau auf koloriertem Papier ausgestellt, das Angelika Herker an Nylonfäden aufgehängt hat. „Wasserlandschaft“ (2015) nennt sie diese abstrakte Installation malerischer Mittel.

Die Ausstellung „Green City“ bietet eben auch aktuelle Kunst, die mit Techniken überrascht, wie Matias Bechtold, der aus Wellpappen ein Modell gebaut hat, das die ideale Metropole in Kreisform anlegt und nüchtern wie präzise mit den Wellstrukturen besticht. „Vor der Stadt“ (2011/12) liegt aber nicht in der Metropole Ruhr.

„Straße“ und „Energie“ sind weitere Begriff der von Nina Dunkmann kuratieren Schau. Die Fotoserie „Das Rohrgebiet“ (2009–2010) von Hendrik Lietmann spürt kuriose Symbiosen zwischen Mensch, Natur und Energieträgern auf: Idylle im Garten mit Rohrleitung ist normal. Aus diesem Nebeneinander ist spätestens seit dem Kulturhauptstadt Jahr 2010 ein neues Selbstbewusstsein der Menschen gewachsen. Vielleicht ironisiert die Videoarbeit von Sebastian Daniel dieses Gefühl. „ruttpottromantik“ (8:26 Min.) zeigt Lebensabläufe in der Fake-Tilt-Shift-Technik, die alles beschleunigt und irgendwie niedlich aussehen lässt. Auf die Dauer wirkt’s aber albern.

Die Ausstellung bietet immer wieder qualitätvolle Exponate wie Mischa Kuballs Zusammenarbeit mit Werner Hannappel, der Türme in Kamp-Lintfort und Bönen als Eckpunkte des Ruhrgebiets fotografierte: „Yellow Marker“ (2000). Fotografien von Joachim Brohm zählen dazu, Richard Serras Bramme auf der Schurenbachhalde, Klaus Dauvens „Hochsitz“ als bearbeitetes Hinweisschild und Natursignal sowie Hans-Jürgen Söffkers farbige Collage mit Comic-Optik: VW-„Variant“ und Hochofenkulisse.

Bis 13. 9.; di-so 11 bis 18 Uhr,

Tel. 0208/41249 28,

www.ludwiggalerie.de;

Katalog 29,80 Euro

Quelle: wa.de

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