Nora Schattauer stellt in Beckum aus

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„Permanganat“ nennt Nora Schattauer ihr Bild, das im Stadtmuseum Beckum zu sehen ist.

Von Marion Gay BECKUM - Graue Mikroorganismen tummeln sich im Schwarz, fest von braunen Membranen umschlossen. Sie scheinen sich in der Zellteilung zu befinden. Was aussieht wie ein Blick durchs Mikroskop ist das kontrolliert zufällige Zusammentreffen von Silbernitratlösung mit Japanpapier. Das Bild von 2011 gehört zur Ausstellung „Das Bild passiert“ im Beckumer Stadtmuseum. Zu sehen sind rund 80 aktuelle malerische Papierarbeiten von Nora Schattauer. Die Schau ist ein Kooperationsprojekt mit dem Stadtmuseum Siegburg und der Städtischen Galerie Neuss.

Die in Köln lebende Künstlerin setzt sich in ihren Werken mit der Natur und ihren Prozessen auseinander, die sie akribisch beobachtet. So zeichnet sie beispielsweise Meereswellen, fotografiert Wasser, das unter einer Brücke hindurchfließt, studiert, wie sich Gras im Wind verhält. Diese natürlichen Vorgänge finden sich in ihren Bildern in überraschender Weise wieder. Nicht als tatsächliche Abbildungen von Wellen, Wasser, Gräsern, sondern als schlichte, unaufdringliche Strukturen.

Es sind stille Bilder in meist sanften Farben, grünlich, bräunlich, bläulich und vor allem zartgrau. Gitterstrukturen, mal geometrisch wie als Anordnung von Waben oder mit Quadraten wie Rechenpapier, mal organisch aneinandergefügt, an Zellen und mikroskopische Welten erinnernd.

Der besondere Entstehungsprozess lässt Schattauers Strukturen wie natürlich gewachsen erscheinen, „Das Bild passiert“ hier wirklich, denn in den Arbeiten der 1952 in Duisburg geborenen Künstlerin vermischt sich künstlerische Steuerung mit nicht exakt kalkulierbaren chemischen Prozessen. Zufall und Kontrolle halten sich die Balance. Wenn die Bilder auch an Aquarelle erinnern: anstatt mit Wasserfarbe und Pinsel malt Schattauer mit der Pipette, tropft Silber und Salze, Kupfer, Chrom oder Eisen auf entsprechend vorbereitetes Papier. Sie lässt die Materialien aufeinander reagieren, die Chemikalien kristallisieren und ihre Spuren zeichnen. Punkte blühen aus wie Tintenkleckse in Gardinen, wuchern, stoßen an andere Ausblutungen, verbinden sich zu Strukturen.

Schattauer arbeitet in Werkgruppen. In Beckum präsentiert sich jede Serie in einem eigenen Raum, benannt nach dem jeweiligen Arbeitsmaterial oder der Technik. So gibt es den „Permanganatsaal“ mit den Bildern in Brauntönen (2008 – 2012), im „Eisensalzzimmer“ reihen sich die Blauton-Bilder (2006 – 2013) aneinander. Sie wirken wie traditionelle Blaudrucke, das Papier erscheint hier wie Stoff. Besonders die blau-weiß-karierten Arbeiten erinnern an Vorhangstoffe oder Tischwäsche. Die Serie der grauen Lithografien dagegen weckt Assoziationen an Landkarten, während die mit geschlossenen Augen gezogenen Liniengespinste auf Kohlepapier wie Graslandschaften aussehen.

Ausgestellt in einer Vitrine sind auch sechs Künstlerbücher mit poetischen Titeln wie „Rheinwasser – Brückenblicke“ und „Nasse Orte – Regen“.

Bis 9. März; Di - Fr/ So 9.30 – 12.30 und 15 – 17 Uhr, Sa 15 – 17 Uhr; Tel. 02521/29264

www.beckum.de

Quelle: wa.de

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