Neuer „Tatort“ aus Saarbrücken mit Devid Striesow

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Auf gefährliche Gegner trifft Devid Striesow (links, mit Isaac Boateng und Kida Khodr Ramadan) als Hauptkommissar Stellbrink im „Tatort“ aus Saarbrücken ▪

Von Ralf Stiftel ▪ Kommissar Jens Stellbrink ist noch nicht richtig angekommen in Saarbrücken, da stolpert er schon über einen Fall. Im Baumarkt sucht er sich Besen, Topfpflanze, Farbeimer zusammen.

Da fällt ihm ein Mädchen auf, das offenbar durchgebrannt ist. Das Kind führt ihn in ein Hotel, wo ein Mann, offenbar Nordafrikaner, sich glücklich über Melindas Rückkehr zeigt. Als der Kommissar gehen will, hört er einen Schrei, bricht in das Zimmer ein, findet eine gefesselte Frau und das Mädchen in den Armen eines zweiten Mannes. Es folgt die wohl albernste Verfolgungsjagd der letzten Fernseh-Jahre. Der Kommissar in Freizeitkluft (Gummistiefel, Shorts, Regenjacke) versucht seine mit Einkäufen beladene Vespa zu starten, ruft seine Kollegin an, steckt sein Handy in einen Eimer und läuft mit dem Mädchen vor drei dunkelhäutigen, in die Gegend ballernden Gesellen weg.

So beginnt der erste „Tatort“ aus Saarbrücken mit Devid Striesow, „Melinda“. Verjüngen wollte der Saarländische Rundfunk das Format. Man war unzufrieden mit dem Ermittlerteam Kappl und Deininger, denen nach sieben Einsätzen gekündigt wurde. Der finnische Regisseur Hannu Salonen, verantwortlich für drei Fälle des alten Teams, hat auch diesen Film gedreht (Buch: Lars Montag/Dirk Kämper). Man hat den Eindruck, dass der Sender zwar Veränderung wünschte, aber nicht wusste, wohin man wollte.

Der Film ist auf Striesows Figur zugeschnitten – und scheitert. Diesen Kommissar kann man nicht ernst nehmen, wie er auf einem Bein in Yoga-Pose am Fenster steht und nach einer Weile ruft: „Ich hab‘s!“ Ein Mann des Bauchgefühls, der lieber meditiert statt denkt. Der mit der roten Uralt-Vespa den Geländewagen voller Gangster verfolgt. Der als erstes im neuen Büro ein Windspiel aufhängt, das bei jedem Türöffnen klingelt, und der entgeisterten Kollegin Lisa Marx (Elisabeth Brück als taffe Kampf-Kommissarin) rät, sie solle erst mal den „Stock aus dem Arsch“ nehmen. So lieb er uns anblickt aus seinem runden Großer-Junge-Gesicht – dieser Typ sollte lieber als Kindergärtner, Kunstlehrer oder Kellner arbeiten. Mördersuche überfordert ihn. Und nicht nur, weil er anfangs noch mit seiner Mutti telefoniert. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie Stellbrink dreinschauen würde, wenn er es mal mit richtigen Verbrechern zu tun bekäme, sagen wir: Bankräubern, und nicht mit nordafrikanischen Drogendealern, die wie moderne Hotzenplotze ziellos, aber mit gezogenem Revolver durch Saarbrücken fahren und dabei ein wenig wie Borat aussehen.

Stellbrinks Kollegen haben ohnehin schon unter der kumpeligen, aber weltfremden Staatsanwältin (Sandra Steinbach) zu leiden. Ganz nett ist das Intermezzo mit der schrulligen Frau Müller, die Stellbrink auf der Flucht hilft, wohl weil sie wie er gern Reggae hört. Sonst aber passt hier nicht viel zusammen. Und man hat nicht den Eindruck, dass sich das je ändern könnte.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr

Quelle: wa.de

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