Neuer Ruhrgebiets-Tatort in Dortmund

Hartmanns "sperriger" Kommissar Faber spaltet

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Die Schauspieler Stefan Konarske, Aylin Tezel und Jörg Hartmann (von links) posieren im Signal-Iduna Park in Dortmund beim ersten WDR-Tatort aus Dortmund. Hartmann ist der neue Hauptkommissar Peter Faber.

DORTMUND - Der Tatort ist zurück im Ruhrgebiet und das neue Ermittlerteam hebt sich direkt von seinen TV-Kollegen ab. Durch seinen sehr seltsamen Chefermittler Peter Faber hat der Dortmund-Tatort etwas ganz Eigenes.

"Kann doch nicht sein, dass dieses Sackgesicht unser neuer Chef ist!", regt sich Kriminaloberkommissar Daniel Kossik im Zimmer eines toten Studenten auf. Kossiks Chef heißt Peter Faber, Mitte 40, ein schwieriger Mann mit undefinierbaren Problemen. Er trägt einen langen braunen Parka, den er nie auszieht. Er ist einer, der kalte Ravioli direkt aus der Dose isst und in seinem Büro schläft. "Er ist keiner, den die Zuschauer direkt liebhaben. Kein Sausack, aber ein sperriger Typ", beschreibt Schauspieler Jörg Hartmann seine Rolle als Hauptkommissar Faber im neuen Dortmunder Tatort "Alter Ego".

1200 Besucher sahen die Weltpremiere am Freitagabend auf einer Leinwand im Stadion von Borussia Dortmund. Die ARD zeigt den Tatort am 23. September (20.15 Uhr).

Der Schauspieler Jörg Hartmann sitzt im Signal-Iduna Park in Dortmund bei der Premiere des ersten Tatortes aus Dortmund.

Die Ermittler der Mordkommission lernen ihren Chef Faber, der von Lübeck nach Dortmund gewechselt ist, am Tatort kennen, nicht im Präsidium. Faber hält sich nicht mit Höflichkeiten auf: Statt die ihm entgegen gestreckten Hände zu schütteln, sagt er "Ich habe Ihre Personalakte gelesen und Sie haben mich gegoogelt, reicht doch." Manche Zuschauer lachen, andere sind erstaunt über den schroffen Kommissar. Diese gespaltene Zuschauer-Reaktion auf der Stadion-Tribüne zieht sich durch die ganze Vorführung.

Faber konzentriert sich wieder auf die nackte Leiche, die der Mörder in ein weißes Laken eingewickelt hat. Er ermittelt ungewöhnlich, setzt sich von den bisherigen Tatort-Kommissaren ab: Er denkt laut wie der Mörder, nimmt seine Gefühle an. In seinem ersten Dortmunder Fall versetzt er sich in die Gedanken eines Mörders im Schwulenmilieu. Kein brisanter neuer Plot, trotzdem sehenswert.

Obwohl sich Fernsehpreis-Gewinner Jörg Hartmann am ersten Drehtag in seiner Rolle "ziemlich fremd gefühlt" hat, wie er sagt, spielt er Faber souverän und zwar extrem mutig an der Grenze zur Übertreibung. So in der starken Szene, in der Faber ein Wasserglas so hart auf den Couchtisch eines Verdächtigen knallt, dass es überschwappt und Faber brüllt: "So ist das Blut an die Decke gespritzt!" Zwischendurch blitzt etwas Irres auf - eine Ermittlungstaktik, die den Fall voranbringt.

Zum ersten Mal in der Tatort-Reihe gibt es vier Ermittler. Neben Hartmann spielen überzeugend Anna Schudt, Aylin Tezel und Stefan Konarske. Die Rolle des Faber sei "1a, die drei anderen 1b", erklärt der Routinier als Tatort-Regisseur Thomas Jauch die Ermittlerhierarchie.

Der neue Dortmund-Tatort kommt nicht ganz ohne Revier-Klischee aus: Ein Taubenschlag-Opa im Flanellhemd trauert um seinen toten Sohn. Aber das war's. Statt schäbiger Ecken aus Problemvierteln zeigt der Regisseur eine Hochglanz-Stadt.

Joe Bausch, der im Kölner Tatort den Gerichtsmediziner spielt, lobte nach der viel beklatschten Premiere: "So was habe ich noch nicht gesehen. Davon möchte ich mehr." Kollege Claus Dieter Clausnitzer, der im Münster-Tatort Kommissar Thiels Vater als Taxifahrer spielt, sagte anerkennend: "Es sieht so aus, als könnten sich die Charaktere toll entwickeln." Die zweite Folge ist abgedreht und kommt im November. - lnw

Quelle: wa.de

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