Neuer Mietvertrag: Cappenberg bleibt Ort für Kunst

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Muss bald im Schloss kleiner planen: Ausstellungsmacher Thomas Hengstenberg, hier mit einer Skulptur von Wolfgang Mattheuer.

Von Ralf Stiftel UNNA - Eine gute Nachricht verkündet Kreisdirektor Thomas Wilk: Es wird weiter Kultur auf Schloss Cappenberg geben. Der Kreis Unna und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) haben sich mit dem Schlossherrn Sebastian Graf von Kanitz über einen neuen Mietvertrag geeinigt. Damit bleiben die Kunstausstellungen des Kreises und die Dauerausstellung zum Freiherrn vom Stein des Landschaftsverbands am vertrauten Ort.

Allerdings macht der Ausstellungsbetrieb in Cappenberg von September an erst einmal eine einjährige Zwangspause. Dann wird das Schloss umfassend renoviert und modernisiert. Ab Anfang 2017 soll es dann wieder Bilder zu sehen geben. Bis dahin läuft noch die aktuelle Schau mit Gemälden von Mehmet Güler (bis 12. April) und im Anschluss eine weitere Ausstellung bis September. Im Anschluss wird dann leergeräumt und mit den Arbeiten begonnen. Und Abstriche muss Thomas Hengstenberg, Ausstellungsmacher des Kreises, auch hinnehmen. Denn der LWL gibt den Westflügel des Schlosses auf. Beide Parteien müssen sich dann den zentralen Südflügel teilen, und für Wechselschauen steht dann nur noch eine Etage zur Verfügung statt bisher zwei. Die ganz großen Kunstereignisse wie die Fritz-Winter-Retrospektive 2005, die Barlach-Ausstellung 2010, die große Expressionismusschau 2011 sind dann nicht mehr möglich. Es steht noch nicht fest, ob der Kreis das Obergeschoss mit rund 500 qm Ausstellungsfläche oder das Erdgeschoss mit 350 qm nutzen wird.

Im ungünstigeren Fall wäre in Selm kaum mehr Kunst zu sehen als am zweiten Kunst-Spielort des Kreises, Haus Opherdicke in Holzwickede (300 qm). Und auch die Zahl der Ausstellungen wird etwas reduziert, von bisher drei bis vier pro Jahr auf nur noch drei. Das andere Stockwerk wird dann mit der wesentlich modernisierten Stein-Ausstellung des LWL bespielt.

Die Verhandlungen waren nicht einfach, macht Wilk deutlich. Im alten Mietvertrag, der 1985 mit einer Laufzeit von 30 Jahren geschlossen wurde, stand eine Klausel, die den Mietern umfassende Instandhaltungspflichten auferlegte. Fünf Millionen Euro mussten Kreis und Verband zahlen, um zum Beispiel bröckelnden Außenputz an dem Bau, ursprünglich ein Kloster aus dem 17. Jahrhundert, zu sanieren. Diese Klausel, da waren sich die Mieter einig, musste wegfallen. Und sie steht auch nicht im neuen, über 20 Jahre laufenden Vertrag.

Letztlich musste Graf von Kanitz einsehen, dass Kreis und LWL nicht bereit waren, mehr zu tragen, als in ihrem Angebot stand. Und eine Immobilie wie das Schloss ist auch nicht so einfach zu vermieten. So müssen Kreis und LWL nur noch jeweils 130 000 Euro Miete und Nebenkosten jährlich zahlen. Noch sind es rund 170 000.

Außerdem müssen beide Parteien zusammen maximal 1,2 Millionen Euro „Trennungsgeld“ zahlen. Denn noch gilt die Klausel, die die Mieter verpflichtet, in fremdes Eigentum zu investieren. So werden zum Beispiel Teile des Parkettbodens erneuert, über den immerhin in 30 Jahren zwei Millionen Besucher gegangen sind, und auch am Außenputz sind noch Arbeiten fällig. In dieser Rechnung ist allerdings der schlechtestmögliche Fall veranschlagt. Die tatsächlichen Kosten können niedriger ausfallen.

Der Graf hatte weit mehr gefordert, er wollte die Klausel sehr viel weiter auslegen, als eine Art Modernisierungspflicht. Das allerdings konnten Kreis und LWL wegverhandeln, so Wilk. Darum muss auch Kanitz selbst in den Bau investieren, zum Beispiel in einen Aufzug, um den Besuch barrierefrei zu ermöglichen, in neue Sanitäranlagen, in Brandschutz und weiteres. Insgesamt entstehen dadurch Kosten im siebenstelligen Bereich.

Noch gibt es keinen Mietvertrag. Aber die Verhandlungen sind fortgeschritten und in den Eckdaten protokolliert. Wilk ist sicher, dass er die Ergebnisse dem Kreistag im September zum Beschluss vorlegen kann.

Der Kreisdirektor ist doppelt zufrieden mit der Lösung. Zum einen spart er voraussichtlich rund 40 000 Euro pro Jahr ein. Und zum anderen konnte er eine der tragenden Säulen der Kulturarbeit im Kreis sichern. Die Ausstellungen in Cappenberg locken jährlich 60 000 bis 80 000 Besucher.

Quelle: wa.de

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