In neuer Besetzung: Madredeus in Dortmund

Von Ralf Stiftel ▪ DORTMUND–Madredeus wurden 1986 vom Gitarristen Pedro Ayres de Magelhães gegründet. Internationalen Ruhm erlangte die portugiesische Band 1994, als Wim Wenders ihre Musik in seinem Film „Lisbon Story“ benutzte. Besonders die Sängerin Teresa Salgueiro machte den Crossover-Sound aus Fado, Klassik und Pop populär. 2006 verließ sie die Band. Am Samstag stellte Ayres de Magelhães eine neuformierte Gruppe im Konzerthaus Dortmund vor, ohne Akkordeon, dafür mit zwei Geigern zum Cellisten. Das Sextett mit der Sängerin Beatriz Nunes spielte das Programm der CD „Essência“, die den Neustart begleitet.

Madredeus klingt nun noch weniger folkloristisch, der Fado ist praktisch verschwunden. Stattdessen hat die Musik oft die Anmutung klassischer Kompositionen, alles soll gediegen wirken. In den wenigen rhythmisch pointierteren Passagen erinnert das dann an Barockmusik wie Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Meistens aber werden die ostinaten Figuren der Streicher, die Patterns des Gitarristen von Keyboarder Carlos Maria Trindade in einen ungreifbaren Teppich aus Akkorden gehüllt. Es entsteht ein massiver und undurchhörbarer Klang, in dem vor allem die Gitarre, ab und zu auch mal Geige oder Cello dekorative Akzente setzen. Das klingt dann etwas mystisch, etwas geheimnis- und irgendwie bedeutungsvoll. Und gar nicht so selten verläuft sich die Wohlfühlmusik von Madredeus in die Gefilde des Kitsch.

Optisch hat sich die Präsentation nur unwesentlich geändert. Die Instrumentalisten sitzen erhöht, vor steht nahezu unbeweglich Beatriz Nunes und singt mit hoher, klarer Stimme, die der ursprünglichen Vokalistin recht nah kommt. Ein dünner Trockennebel wabert über der Bühne, so dass das Licht der Punktscheinwerfer um jeden Musiker geradezu greifbar wird.

Die Erwartungen der Fans im Konzerthaus wurden von dem gut zweistündigen Auftritt offenbar erfüllt. Großer Beifall und zwei Zugaben. Dann stimmten sie auch einen der Klassiker von Madredeus an, „Alfama“. Das Lied ging immer noch ins Ohr. Aber das reduzierte Klangbild zeigt, was verloren ging: die Wärme der Straßen Lissabons.

Quelle: wa.de

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