Neue CD: Youn Sun Nah: Same Girl

Von Ralf Stiftel ▪ Youn Sun Nah: Same Girl (Act/edel). Der erste Song genügt, um süchtig zu machen: Glockenklare Spieluhrtöne tasten um die Melodie des Jazz-Standards „My Favourite Things“, das macht Youn Sun Nah selbst, und dann besingt sie dazu traumfern Strudel und Schnitzel, und schon fühlt sich das ganz neu an, wie frisch erfunden.

Die koreanische Sängerin hat 2009 mit ihrer Platte „Voyage“ einen furiosen Einstand hingelegt, was etwas heißen will angesichts der vielen, vielen Vokalistinnen, die uns gefühlt im Stundentakt mit neuen Platten beglücken. Das Konzept hat sie beibehalten: Sparsam instrumentierte Songs, einige selbst geschrieben, andere interessant ausgesucht, präsentiert sie in einem immer wieder überraschenden Abwechslungsreichtum. Gerade noch entreißt sie ein Folkjuwel wie „My Name is Carnival“ dem Vergessen, dann fetzt sie in „Breakfast in Baghdad“ orientalisch angehauchte Scatlinien im Unisono mit Ulf Wakenius. Der schwedische Gitarrist begleitete sie schon auf der Debütplatte, mit dem Bassisten und Cellisten Lars Danielsson und dem Percussionisten Xavier Desandre-Navarre.

Jeder Titel hat einen eigenen Charakter, wie das koreanische Volkslied „Kangwondo Airang“, das sie im Multitrack-Verfahren als ätherischer Chor beginnt, ehe sie zu lockeren Gitarrenarpeggien die Melodie entfaltet. Und aus Metallicas Kracher „Enter Sandman“ schält sie nur zur Gitarre eine coole Ballade, um mittendrin ein textloses Solo zu singen, dessen exaltierte Krächz-, Heul- Kreischlaute der Metalband an Energie nichts schuldig bleiben. Einfach Klasse.

Quelle: wa.de

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