Neue CD: Quatuor Ebène: Fiction

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Von Ralf Stiftel ▪ Quatuor Ebène: Fiction (Virgin Classics/EMI). Den Durchbruch erlebte das Quatuor Ebène mit frischen Interpretationen klassischer Kammermusik.

Die vier Franzosen, die sich 1999 in Paris zusammentaten, peppten beispielsweise Haydns Streichquartette mit Improvisationen auf. Von daher entspringt ihr neues Album „Fiction“ keinem modischen Crossover-Kalkül. Sie haben schon immer auch Jazz gespielt. Nun eignen sie sich 16 Songs an, die man vor allem aus Filmen kennt. Das ist gleich am Anfang das Rockabilly-Instrumental „Misirlou“, das Quentin Tarantino in „Pulp Fiction“ einsetzte, und das nun als Geistermusik daherflirrt. Virtuos imitieren sie das elektrifizierte Instrumentarium im Beatles-Titel „Come Together“ mit Bogenschlägen und Pizzicati. Ebenso souverän finden sie ins Jazz-Idiom der 1960er Jahre bei Wayne Shorters „Footprints“. Raphael Merlin spielt die Bassparts auf dem Cello, Pierre Colombet und Gabriel Le Magadure lassen die Violinen singen oder nach E-Gitarren klingen, Mathieu Herzog groovt auf der Viola. Verstärkung haben sie sich schon geholt: Den versierten Jazzdrummer Richard Héry. Auf „7-29-04 The Day Of“ spielen sie einen Funkbeat, als ob Black Music für Streichquartett erfunden worden wäre. Hinzu kommen prominente Gastsängerinnen: Luz Casal trägt „Amado Mio“ mit viel Tangoschmelz vor, Stacey Kent veredelt den Samba-Klassiker „Corcovado“. Vollends als Boygroup treten sie bei Chaplins wunderbarem Trostlied „Smile“ auf, das sie mitten in den wildesten Jazz-Paraphrasen als süßer Schubidu-Chor vortragen. Virtuos und witzig, keinen Moment langweilig.

Quelle: wa.de

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