Neue CD: Matthias Schriefl: Six, Alps & Jazz

Matthias Schriefl: Six, Alps & Jazz (Act/Edel). Matthias Schriefl, Jazztrompeter, 1981 in Kempten/Allgäu geboren, meint das sehr ernst, wenn er seinen musikalischen Wurzeln nachspürt.

Und die liegen auch in der alpinen Blasmusik. Jodler, Ländler und Zwiefache interpretiert er mit seiner formidabel eingespielten Band streckenweise authentisch. Das schließt modische Anbiederungen à la Musikanten-stadl aus. Wenn er das „Deandl vom Wintergrea“ anstimmt, dann wird die Blasmusik zur Weltmusik. Aber nach einer Minute mischt sich Florian Trübsbach am Altsax mit Charlie-Parker-Phrasen ein, Schriefl selbst steuert einige coole Flügelhorn-Wendungen bei. Viele Melodien sind Kindheitserinnerungen des heute in Köln lebenden Trompeters. Darum behandelt er sie mit Respekt. Aber er verkennt nicht die Komik, die ihnen innewohnt. Und so findet er „Am Schnackar Bichl“ ebenso karibische Munterkeit wie beredte Theatralik der Weill'schen Schule.

Im „Andachtsjodler“ spüren er und seine Mitstreiter den Tönen in leisen Klangflächen nach. Da erspielt sich ein ungemein flexibles Ensemble, im Kern ein Sextett, dazu einige Gäste, eine Musik, deren Wandlungsfähigkeit vom Dorftanz zum Kammerton, vom Oldtime-Swing zum Free-Jazz an Magie grenzt. Und der „Vorarlberger Problembär“, eingespielt live auf der Gruntenhütte in 1477 Metern Höhe, hat einen frechen Funk, dass man nur noch grinsen will. ▪ Ralf Stiftel

Quelle: wa.de

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