Neue CD: Bill Carrothers Trio: A Night At The Village Vanguard

Von Ralf Stiftel ▪ Bill Carrothers Trio: A Night At The Village Vanguard (Pirouet). Der Pianist Bill Carrothers, Jahrgang 1964, lebt abgeschieden am Michigan-See.

Seit einiger Zeit aber ist er immerhin in die Jazzszene zurückgekehrt, unter anderem mit einer großartigen Hommage an den Trompeter Clifford Brown im vergangenen Jahr: „Joy Spring“. Nun legt das verdienstvolle Label Pirouet ein Live-Doppelalbum nach, das vor allem Jazzstandards im Trio-Format bietet, die 2009 im New Yorker Club Village Vanguard eingespielt wurden. Und diese Aufnahme ist fast noch grandioser. Jede CD bietet einen kompletten Set des Auftritts, und man erlebt mit, wie unangestrengt Carrothers das Material behandelt. Einerseits bleibt er den Standards treu, swingt, bietet virtuose Solokunst. „Gerkin for Perkin“ zum Beispiel könnte anfangs um 1960 eingespielt sein, so frisch gehen der Pianist und seine Mitstreiter Nicolas Thys (Bass) und Dré Pallemaets (Drums) ans Werk. Aber nach dem Basssolo löst sich die Struktur fast ins Abstrakte auf. „Jordu“ beginnt als kernige Bluesimprovisation am Piano, ehe sich Carrothers dem Thema annähert. Der Musiker scheut sich nicht, in Soli Zitate anderer Standards einzubauen. Er geht manchmal an die Grenzen der Tonalität, scheint völlig frei zu fabulieren, bis er wieder in vertraute Gefilde findet. Einfach ein Genuss.

Quelle: wa.de

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