Neubau des Westfälischen Landesmuseums vorgestellt

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Eine Versammlung von Heiligen: Die Spitze des Neubaus ist mit mittelalterlichen Skulpturen bestückt.

Von Ralf Stiftel MÜNSTER - Man atmet frei durch, wenn man den Neubau des Westfälischen Landesmuseums für Kunst und Kultur betritt. Man fühlt sich wie im Freien, so sehr flutet das Licht den großzügigen Innenhof, dessen Wände auch noch weiß gehalten sind. Und man muss auch nicht mehr den Eingang suchen. Das Gebäude hat drei, zum Domplatz, zum Aegidiimarkt und zur Pferdegasse. Neue Laufwege auch für Passanten erwartet dadurch Wolfgang Kirsch, Direktor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL). Man kann jetzt einfach durchs Museum gehen, auch wenn man gar keine Kunst ansehen will.

Am Wochenende wird der Neubau der Öffentlichkeit vorgestellt. Am Freitag war die Schlüsselübergabe durch den Architekten Volker Staab. Die Offiziellen ließen es an Freudenbekundungen nicht fehlen. Kein Wunder: Dies ist auf lange Zeit der letzte repräsentative Kulturbau im Land, wie Peter Landmann von NRW-Kulturministerium betonte. Das Land hat sich mit 9 Millionen Euro an den Kosten von 48 Millionen beteiligt. Es war das größte Förderprojekt der letzten Jahre. Mit dem Neubau bewege sich Münster endgültig auf Augenhöhe mit den anderen führenden Museen des Landes, sagte Landmann.

Zufrieden zeigte sich auch der Vorsitzende der Landschaftsversammlung, Dieter Gebhard: „Das Museum erfüllt die modernsten Anforderungen auf internationalem Standard, was Bautechnik, Energietechnik, aber auch Ausstellungspräsentation und Sicherheit betrifft.“ Trotz knapper Kassen in das Museum investiert zu haben, sei „die richtige kulturpolitische Entscheidung“ gewesen.

Das Geld ist gut investiert. Staab betonte, dass es ihm vor allem darum ging, das Gebäude zum Stadtraum zu öffnen. Das ist nicht nur durch die drei Eingänge gelungen. An der Seite zum Aegidiimarkt ergibt sich nun eine Platzsituation, die durch die Museumsgastronomie belebt werden wird. Und auch im Gebäude erwarten den Besucher immer neue Öffnungen im Baukörper, die Blicke auf die Stadt ermöglichen. So wird das Haus zum Gewinn für die Stadt, belebt es doch sein Umfeld.

Eine feine Pointe dabei ist die Gebäudespitze zum Domplatz hin, in der lebensgroße mittelalterliche Heiligenfiguren stehen. Ein großes Fenster weist auf den Dom, so dass der Besucher die Ortsgeschichte präsent hat, der so sehr von der Religion geprägt wurde. Die tiefroten Wände vermitteln zugleich den Prunk sakraler Rituale und die blutige Geschichte zum Beispiel der Widertäufer.

Das Erdgeschoss ist dem Empfang vorbehalten, hier werden Eintrittskarten verkauft, hier sind Museumsladen und Gastronomie untergebracht und ein Veranstaltungsraum für 250 Personen. Zur Kunst geht es über breite Treppen in die oberen beiden Stockwerke. 7500 Quadratmeter Ausstellungsfläche bietet der Neubau, 1800 mehr als sein Vorgänger. Es gibt organische Verbindungen zum Altbau und eine klare Wegführung durch die 51 Räume der Sammlung, die die Kunst Westfalens vom Mittelalter bis in die Gegenwart dokumentieren. Endlich kann die Sammlung mit 350 000 Objekten, darunter Meisterwerke von internationalem Rang vom Soester Antependium zu den Skulpturen der Brabender und den Bildern des Meisters von Liesborn, von Expressionisten wie Kirchner und Macke bis zu Nachkriegskünstlern wie Josef Albers und Frank Stella angemessen präsentiert werden.

Mit einem Farbsystem wird dem Besucher die Orientierung erleichtert, von Rot fürs Mittelalter über Grün für die Renaissance bis zu einem lichten Grau für die Gegenwart. Sechs Säle für Wechselausstellungen haben Oberlicht, wobei ein System von Prismengläsern dafür sorgt, dass das Licht immer gleichmäßig einfällt und Sonnenspitzen, die der Kunst schaden könnten, abgefangen werden.

Die Architektur dominiert hier nicht, sondern passt die Räume den Bedürfnissen des Museumsbetriebs an. So ergibt sich ein abwechslungsreiches Parcours zwischen großen Sälen und intimeren Kabinetten, in denen auch die Helligkeit für empfindliche Exponate geregelt werden kann.

Am Wochenende kann die Öffentlichkeit in Führungen einen ersten Eindruck der Räume gewinnen. Dann schließt das Haus wieder. Bis zum September 2014 dauert es, die Bilder aufzuhängen, die Skulpturen zu stellen, obwohl natürlich für jeden Raum bereits ein Plan existiert, wie Direktor Hermann Arnold betont.

Das Haus will sein Profil auch mit ambitionierten Sonderausstellungen schärfen. Alle zwei Jahre soll es einen Blockbuster geben, eine Schau mit überregionaler Ausstrahlung, unterstrich LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschhoff-Thale. Den Auftakt macht im Herbst 2014 die Präsentation „Das nackte Leben“. Gezeigt wird dabei figurative Malerei aus Großbritannien, Werke von weltberühmten Künstlern wie Lucian Freud, Francis Bacon und David Hockney.

Zwei Tage lang können Interessenten das neue Museum besichtigen. Samstag und Sonntag gibt es jeweils ab 10 Uhr Neubauführungen.

Am Samstag um 18.30 und 19.30 Uhr erläutert Direktor Hermann Arnhold den neubau am Modell.

Außerdem gibt es ganztägig ein Unterhaltungsprogramm, am Sonntag ein Kinderprogramm und am Samstag ab 16 Uhr einen Bücherflohmarkt.

Tel. 0251/ 590 701

ww.lwl.org/LWL/Kultur/

LWL-Landesmuseum-Muenster/

Quelle: wa.de

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