Neil Diamond begeistert in der Arena Oberhausen

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Umarmt die Fans in Oberhausen: Neil Diamond auf seinem Konzert. ▪

Von Tim Griese ▪ OBERHAUSEN–Neil Diamond ist einer der Altmeister der Singer-Songwriter. Seine ersten Erfolge feierte der mittlerweile 70-Jährige in den 1960er Jahren. Aus dieser Zeit stammen auch die meisten Hits, die er beim Konzert in der Arena Oberhausen in Anlehnung an seine jüngste Compilation „The Bang Years “ präsentiert.

Bis das Publikum die zu Ohren kommen, muss es sich aber in Geduld üben. Denn der Sänger lässt auf sich warten. Auch das aufmunternde Klatschen, das nach jedem der Country-Songs aus der Konserve aufbrandet, lockt den New Yorker Songwriter nicht hervor. Mit rund zwanzigminütiger Verspätung und den ersten aufkeimenden Pfiffen betritt er dann aber doch gemeinsam mit seiner Band die Bühne. Er kann es sich leisten, legt aber unumwunden energisch los.

Elf Musiker schart Neil Diamond um sich, dazu noch drei Background-Sängerinnen – alleine die Ausstattung verspricht eine große Show, einen Hauch von Las Vegas in Oberhausen. Passend dazu glitzern die Pailletten auf Diamonds Hemd auf, als der Strahler auf ihn gerichtet wird und er die ersten Gitarrensaiten anschlägt.

Was dann folgt, ist schlichtweg eine einzige Aneinanderreihung von Hits, die eindrückliche Demonstration eines umfangreichen musikalischen Schaffens. Balladen und Rocknummern wechseln sich ab. Bereits beim ersten Song sitzt im bestuhlten Innenbereich niemand mehr. Zwischendurch macht Neil Diamond ein wenig Smalltalk, lächelt verschmitzt, winkt konsequent in alle Winkel des Saales und streut ein paar Witze ein. Er weiß, wie er seine Fans anpacken muss. Und es funktioniert: Spätestens bei „Sweet Caroline“, dessen Refrain er unter Beifallstürmen nach dem letzten Takt noch zweimal anstimmt, hat er gewonnen.

In seinem schwarzen Outfit wirkt er bisweilen wie der „Man in Black“ persönlich, Johnny Cash. Passend dann auch Diamonds „erster großer Hit“, wie er „Solitary Man“ ankündigt, einen Song, den Cash rund 35 Jahre nach seiner Entstehung covern sollte. Neben „Red, Red Wine“, einem von anderen Künstlern ebenfalls gern gespielten Song, gibt auch Diamond ein Stück zum Besten, das nicht aus der eigenen Feder stammt. Ausgesucht hat er sich Bill Withers‘ Blues-Nummer „Ain‘t No Sunshine“.

Das stark autobiographisch geprägte „Shilo“ gehört ebenso zum Repertoire wie das flotte „You Got to Me“, das getragene „Morningside“ und „I Am... I Said“ als dramatischer Höhepunkt des regulären Sets. Natürlich darf auch der Rock-‘n‘-Roll-Klassiker „I‘m a Believer“ nicht fehlen. Den stimmt er zunächst in einer balladesken Version an, um dann schließlich doch die Menge tanzen zu lassen. Rührseliger Höhepunkt ist „You Don‘t Bring Me Flowers“, das er im Duett mit Background-Sängerin Linda Press singt und das auch gut in ein Broadway-Musical gepasst hätte.

Neil Diamond selbst gönnt sich zwischendurch einen Schluck Wasser und setzt sich auch mal hin, um von den wichtigen Dingen im Leben zu sprechen oder von ihnen zu singen. Stimmlich ist er auf der Höhe und intoniert die Songs kraftvoll. Seine Bühnenpräsenz ist beeindruckend, eben die eines Entertainers der alten Schule, der sich wohlfühlt, den Rummel um seine Person genießt und sich das auch gerne anmerken lässt.

Ein wenig kitschig wird es erst ganz zum Schluss, als das patriotisch überfrachtete „America“ angestimmt wird und Diamond als Prediger in „Brother Love's Traveling Salvation Show“ auftritt. Und als der Sänger unter orchestraler Begleitung winkend über den Bühnenhintergrund in Zeitlupe abtritt. Aber andererseits ist es genau das, was man in einer Las-Vegas-Show erwarten würde.

Quelle: wa.de

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