Die Needcompany beim Festival fidena

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Eingespannt zwischen Brett und Klangkasten: Maarten Seghers von der Needcompany in Bochum.

Von Ralf Stiftel BOCHUM - Der Mann hat sein Brett vor den Kopf geschnallt. Gebunden an die übermannslange Bohle stampft er einen Rhythmus und grölt dazu: „I forgot my password.“ So kann also ein Rockkonzert auch aussehen. Ein langmähniger Kerl arbeitet sich ab, dazu brummen seltsame Maschinen. Überraschend. Verwirrend.

Genau das hat Maarten Seghers versprochen, als er das Publikum in den Kammerspielen des Schauspielhauses Bochum begrüßte: „A night of freedom“, eine Nacht der Freiheit. Seghers ist einer der Protagonisten der Brüsseler Needcompany. Das belgische Theaterkollektiv genießt internationales Renommee, war bei der Ruhrtriennale 2012 zu sehen. Nun ist es mit einer Studioausgabe Gast des Theaterfestivals fidena. Bis Samstag sind in Bochum und Essen Figurentheater-Produktionen zu sehen. Wobei das Festival-Profil sich gewandelt hat. Hier tanzen nicht mehr nur die Puppen, es gibt experimentelle Spielweisen, Materialtheater und mehr.

Wie bei der Needcompany, die zwei Uraufführungen präsentiert. Das knapp 18 Minuten lange „The OHNO Cooperation Conversation“: Auf zwei Leinwänden sieht man parallel zwei Filme mit Seeghers und Jan Lauwers, einem der Gründer der Needcompany. Links sitzen sie in einer Art Tonstudio auf dem Sofa, maskiert mit falschen Bärten und Nasen, und unterhalten sich in Grunz-, Schnalz- und Brummlauten, wenn sie nicht gerade auf der E-Gitarre klimpern. Rechts stapfen sie durch einen Tümpel in einer Art Sumpf, zwei Verlorene, die sich kurze Sätze zurufen. Dann schwenken sie Mülltüten, denen sie Kartons entnehmen. Es sind Masken, mit denen sie sich in Tintenfische verwandeln oder Außerirdische und verzückt durchs Wasser plantschen. Vor den Leinwänden sind Lauwers und Seghers zu sehen, die live Bewegungen mal des einen, mal des anderen Films stumm nachtanzen. Was kann Theater sein? Auch so ein heiter-verrätseltes Spiel.

Es folgt Seghers: „What do you mean what do you mean an other pleasantries“. Seghers ist Künstler, Musiker, Schauspieler. In dem Auftritt bezieht er sich u.a. auf Bilder von Brueghel und Bosch. Er spielt mit „The Horrible Facts“, keine Band, sondern ein Ensemble aus sechs flachen Holzkisten, Klangskulpturen. In einer schwingt eine E-Gitarre. Eine andere hat eine Stelle, auf die Seghers rhythmisch tritt, so dass ein elektronischer Bass-Groove entsteht. Eine dritte lässt sich klappen und erzeugt dann ein Jaulen.

Roh und ungeschlacht sieht das aus, wenn Seghers sich ans Brett geschnallt hat, es mal phallisch schwingen lässt, dann wieder am Kopf fixiert, durch eine Öffnung das Mikrophon steckt, in das er seine Zeilen spricht. Manchmal bezieht er sich auf die Spielsituation, dann verkündet er poetische Wort-Weisheiten: „We are born to begin and we die to be gone.“ Und er animiert mit typischen Konzertgesten das Publikum zum Wechselgesang, zum Mitklatschen. Und mit jeder Minute fasziniert es mehr. Die Lautsprecher in einer Box sehen aus wie Augen und Nase. Seghers setzt ein Bündel Kabel als Haar auf, malt mit feuchtem Schwamm einen Mund und hat eine übermannsgroße Puppe als Spielpartner. Auf einen rationalen Sinn lässt sich die Performance nicht bringen. Aber es bereitet großes Vergnügen, dem kraftvollen Auftritt zu folgen.

Fidena bis 24.5., Tel. 0234/ 477 20, www.fidena.de

Quelle: wa.de

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