Naturfotos von Jim Brandenburg in Iserlohn

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Im Sprung eingefangen: Jim Brandenburgs Foto vom Weißen Wolf ist in Iserlohn zu sehen.

ISERLOHN ▪ Der weiße Wolf scheint in der Luft zu stehen, zwischen zwei Eisschollen, und sein Spiegelbild verdoppelt ihn. Einfach magisch, wie Jim Brandenburg diesen einen kurzen Moment bannte in einem perfekt komponierten Foto, das so harmonisch erscheint mit seinen präzise gesetzten Fluchtlinien. Es ist zu sehen in der Städtischen Galerie Iserlohn. Von Ralf Stiftel

Die Ausstellung „A Pristine Vision“ bietet mit rund 100 Aufnahmen erstmals überhaupt einen Querschnitt durch das Schaffen des Naturfotografen. Pristine, das heißt makellos, und damit ist auch das ästhetische Ideal Brandenburgs gut definiert. Der Amerikaner, dessen Vorfahren aus Brilon stammen, bietet sensationelle Aufnahmen von Landschaften und Tieren in einer Hochglanzästhetik. Man kann nur staunen zum Beispiel über die Nahaufnahme eines Bisons, bei der man jede Pore zu erkennen meint. Oder die fünf fliegenden Schwäne, die wie im Flug erstarrt scheinen. Oder die Landschaft über dem See mit der Insel vor dem flammend erleuchteten Abendhimmel und dem Taucherpaar, von denen ein Vogel gerade die Flügel zum Auffliegen ausbreitet.

Der 1945 in Minnesota geborene Künstler hat die moderne Naturfotografie mitgeprägt. Seine ersten Aufnahmen schuf er für eine Lokalzeitung. Und wenn er auch mittlerweile in aller Welt fotografiert hat, unter anderem 23 Reportagen für die Zeitschrift „National Geographic“, so nehmen die Aufnahmen aus seiner Heimat einen breiten Raum ein in seinem Schaffen. Vor allem Wölfe haben ihn von seiner Jugend an fasziniert, mehrere Bücher hat er ihnen gewidmet. Eins heißt „Bruder Wolf“. Der Titel fast den Respekt, den Brandenburg für seine Modelle empfindet. Er fotografiert Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung und nicht etwa im Zoo. Tiere haben bei ihm auch ein Gesicht, ob das nun der mächtige Bison ist oder der Wolf, dem man in einem schmalen Feld der Schärfe direkt ins Auge zu blicken meint.

Ob nun weiße Wölfe ihre Welpen lecken oder ob ein Rudel gerade Büffel jagt, Brandenburg zeigt die Tiere in verschiedensten Kontexten. Aber er idealisiert sie nicht. Beim Rudel, das gerade an einem zerfledderten Beutetier frisst, kommt keine falsche Romantik auf.

Der Fotograf findet seine Motive gerade im Unspektakulären. Wie er die heimischen Birken ins Bild setzt, mal im Schnee mit nur einem kleinen roten Fleck, der den Farbfilm verrät, oder mit dem Blaustich des Schattens auf der Rinde, das macht staunen. Drei Raben zeigt er als Plaudergesellschaft. Dem toten Vogel, dessen letzte Flügelschläge sich im Schnee abzeichnen, lässt er seine Würde: „Elegant Death“ (1998).

Aber wenn auch die Natur und die Tiere dominieren, so zeigt die Schau doch auch die anderen Seiten Brandenburgs, seine Vielfältigkeit. Seinen Humor zum Beispiel mit dem Bild eines quer im Auto stehenden Pferdes von 1966. Vor einer brennenden Scheune zeigt er 1972 klein einen Mann mit Schlauch, der sich vom Inferno aus Flammen und Rauch abwendet. In Namibia fotografiert er die blicklosen blinden Kriegskinder (1981). Lebendig tritt uns der „French-Indian Cowboy“ (1981) gegenüber, der sein Hemd geöffnet hat und seine beeindruckenden Muskeln vorführt, samt der großen Narbe auf der Schulter.

Neuerdings experimentiert er mit Infrarotfotografie auf großen Tafeln in Schwarz-Weiß. Da sieht man den Eiffelturm, der sich wie aus Wolken erhebt, den schemenhaften Touristen. Oder einen von weißen Bäumen gesäumten schwarzen Kanal mit zwei Anglern. Das sind interessante Effekte. Unser Herz hingegen berühren Brandenburgs Wolfsporträts.

bis 29.1.2012, mi – fr 15 – 19, sa 11 – 15, so 11 – 17 Uhr,

Tel. 02371/217 1970;

http://www.galerie-iserlohn.de

Quelle: wa.de

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