Nasaler Charme: Max Raabe im Konzerthaus Dortmund

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Max Raabe

Dortmund - Selbst den werblichen Teil des Abends erledigt Max Raabe mit unvergleichlichem Charme. „Wir legen Ihnen den Erwerb des Tonträgers sehr ans Herz“, sagt er, „denn wir gedenken uns am Erlös persönlich zu bereichern.“ Der Sänger war mit seinem Palastorchester im Konzerthaus Dortmund, eine Station der Tour zur neuen CD „Für Frauen ist das kein Problem“.

Von Ralf Stiftel

Raabe tritt in jeder Spielzeit hier auf, vor ausverkauftem Haus. Seine Auftritte sind perfekt durchkomponierte Gesamtkunstwerke. Diesmal singt er zuerst „Ich bin nur gut, wenn keiner guckt“, damit er zur Begrüßung sagen kann, dass es doch mehr Spaß mache, wenn jemand guckt. Im Konzert nehmen die Lieder, die er mit Annette Humpe „selbst gebastelt“ hat, nur einen begrenzten Raum ein. Drei Titel daraus trägt er vor der Pause vor, als letztes den Titelsong, damit er zwanglos den Erwerb ans Herz legen kann. Aber vor allem spielt er das großartige Repertoire deutscher Schlager der Zwanziger und frühen Dreißiger, Lieder mit Jazz und Witz, zum Beispiel den Hit der Weintraub Syncopators: „Ich kauf mir ne Rakete und flieg damit zum Mars“. Oder den schlagenden Beweis dafür, dass Darwin Recht hatte: „Am Amazonas da wohnen unsre Ahnen“. Dazu einige englischsprachige Standards wie Weills „Speak Low“ und ein Canzone wie „Un ora sola te vorrei“, das er ankündigt: „Seinem Schatz ein Liebeslied ins Ohr zu säuseln, verfehlt seine Wirkung nie.“

Bei Raabe sitzen natürlich Stimme, Haare, Einstecktuch perfekt. Diese leicht näselnde Intonation, diese Überbetonung erlaubt leiseste Nuancen der Ironie, die sicher verstanden werden. Mühelos holt er das Publikum in eine parallele Welt, in der die Goldenen Zwanziger nie aufgehört haben. Auch die neuen Lieder passen in diese Stimmung, besonders, weil sie mit dem Palastorchester noch pointierter erklingen, der Rhythmus wichtiger wird und die feinen Kommentare der Bläser eine Würze geben, die den etwas sterilen Pop-Arrangements der Platte abgeht.

Die Kapelle macht das Vergnügen erst perfekt, nicht nur wegen der eleganten Dekolletees der Geigerin Cecilia Crisafulli. Vincent Riewe hat sein Schlagzeug noch ausgebaut um Vibraphon und Röhrenglocken und tanzt darin wild herum. Der Pianist hat zwischenzeitlich ein Solo an Weingläsern, auf denen er mit Anreiben musiziert: „Somewhere Over The Rainbow“, und Max Raabe legt auch dies dem Publikum ans Herz: Applaus für „Herrn Ian Wekwerth an der Hausbar“.

Zwei Stunden virtuose Unterhaltung enden mit der Ansage des letzten Liedes, und das Publikum macht „Oooch“. Raabe antwortet: „Niemand bedauert das mehr als ich.“ Darum kommt er auch wieder: Am 29. Januar 2014 mit dem Palastorchester, am 5. April 2014 mit dem Pianisten Christoph Israel.

Tel. 0231 / 22 696 200,

www.konzerthaus-dortmund.de

Quelle: wa.de

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