Naive Kunst in Recklinghausen

+
Zu den Klassikern der naiven Kunst gehören Erich Bödeckers Skulpturen, hier die „Stürzende“ (1967).

RECKLINGHAUSEN – Die kleinen Figuren tragen Baströckchen und Kopfschmuck. Aufgereiht stehen sie vor den Eingängen ihrer Höhlenwohnungen, betrachten die Kinder, die vor ihnen im Wasser planschen. Wie auf dem Bild „In der Südsee“ von Natalie Schmidtova könnte man sich das Leben auf einer Tropeninsel vorstellen. Zum Kulturhauptstadtjahr und der Local Heroes-Woche zeigt das Vestische Museum in Recklinghausen rund 100 Werke naiver Kunst aus dem eigenen Bestand. Von Marion Gay

Thomas Grochowiak, langjähriger Direktor des Museums, hatte Anfang der 50er Jahre die Idee, an Stelle der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Abteilung für Volkskunst eine Galerie der Naiven aufzubauen. Es war die Zeit, in der man überall im Ruhrgebiet ein „sinnvolles Laienschaffen“ propagierte und Arbeiter, vor allem Bergleute, zur „schöpferischen Gestaltung“ ihrer Freizeit aufrief. Man vermutete ein großes kreatives Potenzial im Kollektiv der Industriegesellschaft. Schon die 1946 gegründeten Ruhrfestspiele, für deren Kunstausstellungen Grochowiak verantwortlich war, hatten es sich zur Aufgabe gemacht, Anregungen zu geben, wie man seine Freizeit sinnvoll nutzen könnte.

So zeigte die Ausstellung „Arbeit – Freizeit – Muße“ 1953 neben Meisterwerken der Romantik und der europäischen Moderne auch Bilder naiver Künstler wie Henry Rousseau und Camille Bombois, die man damals Sonntagsmaler nannte. Auch die Ruhrfestspiele von 1963 widmeten den Naiven eine umfangreiche Ausstellung mit dem Titel „Laienkunst im Ruhrgebiet“ und fragten noch einmal „Freie Zeit – wozu“? Man begann mit dem Aufbau einer Sammlung naiver Kunst, die auf mehr als 900 Malereien und plastische Arbeiten angewachsen ist und zu den wichtigsten Sammlungen naiver Kunst gehört.

Die aktuelle Ausstellung zeigt Arbeiten internationaler Klassiker wie André Bauchant, Louis Vivin und Sava Seculic sowie bisher noch nie gezeigte Neuerwerbungen. Daneben finden sich Werke von Künstlern aus dem Ruhrgebiet wie Franz Klekawka und dem Bildhauer Erich Bödecker, der mit rund einem Dutzend farbenfroher Betonskulpturen vertreten ist. Zu sehen ist etwa „Die englische Königsfamilie“ (1969), die kerzengerade und sehr schlicht auf einer Holzbank thront. Auch eine Version der Heiligen Barbara findet sich von Bödecker, der selbst über 40 Jahre lang Bergarbeiter war: Eine verkniffen aussehende Dame in Schwarz, mit einer Grubenlampe in der Hand.

Bis 11.4., fr – so 11 – 18 Uhr,

Tel. 02361/ 501 946,

http://www.kunst-re.de

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare