Mussets „Launen der Marianne“ am Schauspiel Dortmund

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Viel Schaum um die Liebe: Szene aus „Die Launen der Marianne“ mit Bettina Lieder und Randolph Herbst.

Von Ralf Stiftel ▪ DORTMUND–Am Anfang schnauft und grunzt sich ein seltsames Geschöpf durch das abgedunkelte Studio des Theaters Dortmund. Cupido, kein Liebesgott, sondern eine Art Dämon, unberechenbar und, wie sich zeigen wird, tödlich. Die weißhäutige Kreatur mit dem Rüssel und den Trichterohren holt aus einer Kiste eine aufgeputzte, rothaarige Schönheit. Marianne. Er stellt sie auf, schnüffelt an ihrem Schoß. Hier herrschen Triebe. Auch beim zweiten Menschen, den Cupido wie ein Spielzeug aus der nächsten Kiste holt. Ein Mann. Coelio. Ihm bläst Cupido Leben ein. Das Spiel beginnt.

Als schwarzes Märchen inszeniert Jonas Fischer die Tragikomödie „Die Launen der Marianne“ des französischen Romantikers Alfred de Musset. Coelio liebt die schöne, leider mit einem alten Richter verheiratete Marianne. Aber er blitzt ab. Und ist so schüchtern, dass er seinen Freund, den Lebemann Octave, bittet, für ihn um das Herz der Schönen zu werben. Aber Octave verliebt sich selbst in Marianne. Und der eifersüchtige Richter dingt Mörder, um den Nebenbuhler aus der Welt zu schaffen.

Vier Schauspieler reichen, um dieses reizende Verwirrspiel anzurichten. Randolph Herbst, der so animalisch zurechtgemachte Cupido und heimliche Publikumsfavorit, holt nicht nur das zentrale Trio aus den Kisten. Er setzt sich Mützen und Perücken auf, um das restliche Personal zu verkörpern, ist Coelios Böses ahnende Mutter ebenso wie der boshafte Richter-Ehemann, die fragwürdige Kurtisane ebenso wie der beflissene Bistro-Kellner. Bettina Lieder gibt die erst unnahbare, später leidenschaftliche Marianne, die lüsterne Töne ebenso beherrscht wie das Füttern des ungeliebten Gatten mit Brei. Sebastian Graf ist ein schön naiver junger Liebhaber. Und Christoph Jöde spielt den Liebesboten, der selbst entflammt, und man sieht ebenso seine Lebenslust wie seine Skrupel, den Freund zu verraten.

Über dem Bühnenraum (Ausstattung: Larissa Hartmann) schwebt ein großes Schlauchmundstück, das immer wieder symbolträchtig weißen Schaum ejakuliert. Nach und nach füllt er die ganze Bühne und verwandelt sie in ein glitschiges Biotop. Dazu gibt es eine feine Auswahl alter Jazz- und Bluestitel aus den 20er und 30er Jahren. Mussets Stil, kurze Szenen geradezu filmisch aneinander zu schneiden, seine großartigen Rededuelle und die frivol-boshafte Pointe, dass diese Liebesgeschichte eben kein glückliches Ende findet, sind in knapp 80 Minuten fantasievoll und mit großer Spielfreude umgesetzt.

9., 27.10., Tel. 0231/ 50 27 222, http://www.theaterdo.de

Quelle: wa.de

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