Das Musical „Tanz der Vampire“ in Köln

Ein Blutsauger mit Ausstrahlung: David Arnsperger in „Tanz der Vampire“ in Köln.

KÖLN - In diesem adventskalendermäßigen Haus in den Bergen ist nichts idyllisch. Knoblauchgirlanden umgeben Fenster und Türen. „Knoblauch“ beschwören seine Bewohner. Aber warum, darüber schweigen sie sich erstmal aus. Von Urängsten und ihrer Überwindung erzählt komödiantisch das Musical „Tanz der Vampire“, zu sehen im Musicaldome in Köln, und dort bereits jetzt so beliebt und gebucht, dass das Gastspiel um drei Monate verlängert wurde.

Das Stück nach dem Film von Roman Polanski (1967) spielt mit Versatzstücken aus Horror und Comedy, und die Kölner Version zischt schwungvoll hindurch wie durch eine Instagram-Galerie.

Der größte Teil des ersten Aktes kommt eher malerisch daher, mit kurzer Unterbrechung, als Graf von Krolock (David Arnsperger) als tragische Figur auftaucht, wie eine Art Phantom der Oper mit Reißzähnen. Das Wirtshaus der Chagals ist auf den ersten Blick ein eiszapfenbehängtes, leicht schmuddeliges Lebkuchenhaus. Die stämmige Wirtin rupft eine Gans, der Wirt sägt Holz und macht sich an die Magd (Sara Jane Checci) heran, derweil die sexy Tochter Sarah wie Venus im Bade vom naiven Assistenten des vampirejagenden Professors erwischt wird. Das passt in jedes D-Movie, kommt aber ganz wohlig herüber. Tempo kommt auf, als Sarah, die den Ruf des Vampirfürsten spürt, von ihm rote Stiefel geschickt bekommt. Die Tanzszene, als sie vom Ball auf seinem Schloss träumt, ist rasant.

Die Betörung durch einen Vampir als Emanzipation einer jungen Frau zu verkaufen – das funktioniert auch hier natürlich nicht. Aber das ist sowieso eigentlich bloß ein einstündiges Vorspiel zum eigentlichen Akt, der allgemeinen Vampirisierung – zuckende Gliedmaßen und Verführung im Sarg inbegriffen – im Spukschloss. Dessen Ausstattung mag aussehen nach Geisterbahn, verkleidet mit Gotik. Ein fahrbarer Friedhof, ein Gruselbett, von dem die Vampire herunterturnen, Bilder, deren Insassen die (noch) Lebenden beobachten: Leben gewinnt das Schloss durch ein energisches junges Ensemble. Die großen Tanzszenen, vor allem auf dem Friedhof und im Finale, sind energetisch und sehr mitreißend.

Die Hauptrollen sind adäquat bis gut besetzt, vom Assistenten Alfred (Tom van der Ven), der naiven Burschencharme verströmt und in seinen Gesang etwas Übertreibung einsickern lässt („Für Sarah“) bis zum Professor (Victor Petersen), der putzig wirken mag, mit seinem Falsett aber den ganzen Saal wegröhren kann.

Die beiden Trumpfe der Show sind Maureen Mac Gillavry, deren Sarah man das Jungmädchenhafte zwar nicht abkauft, die aber um so glaubwürdiger ist als mutwillige junge Frau auf Egotrip, und Arnsperger als Vampirfürst. Er orgelt opernhaft, als er theatralisch die Einsamkeit besingt, schmalzt balladenhaft von Liebe und der Gier danach, und gibt insgesamt den gequälten Ewigen als liebenswerte Geisterbahnfigur. Sehr stimmgewaltig, sehr mitreißend.

Man könnte sich diesen „Tanz“ noch bissiger wünschen, denn das Billige, D-Movie-hafte wirkt manchmal schon zu familientauglich.

Bis 29.9.18 im Musicaldome Köln, Tel. 01806/ 10 11 11, www.bb-promotion.com

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